Yep es ist so weit, wir haben die erste Woche durch. Schon vor dieser Zeit hat sich bei mir ein Wochenritual eingebürgert. Jede Woche versuche ich ihn zu besiegen. Und jede einzelne Woche scheitere ich. Ok, ein vielleicht zwei Mal gab’s ein Unentschieden. In den allermeisten Fällen gewann aber er. Wer? Der Huber. Dani Huber.
Nein, ich kenne ihn nicht persönlich. Er ist die hellste Kerze auf dem Watson-Kuchen. Sage nicht ich, sagt watson.ch selber. Genau darum findet jeden Sonntagabend ein Quiz statt, dessen Schwierigkeitsgsrad für Normalsterbliche nicht ganz ohne ist. Quizz den Huber nennt sich das Ganze. Hat gemäss Turnus gestern wieder stattgefunden und mich… einmal mehr frustriert mit einem Punkt weniger als Huber zurückgelassen.
Die Möglichkeit, ihn irgendwann mal in einer schwachen Phase zu erwischen und ihn dann schlagen zu können, lässt es mich immer und immer wieder versuchen. Und, wie gut bist Du?
Einst habe ich jeden Tag irgendwas gebloggt. Egal, ob es nur ein Song war, der mich grad verfolgt hatte, oder ob es ein langer Text zu einem bestimmten Thema war. Die Frequenz war klar. Irgendwann liess die Motivation (oder war es doch die Inspiration?) nach und die Häufigkeit sank über die Jahre immer tiefer. In letzter Zeit haute ich nur noch dann für Blogbeiträge in die Tasten, wenn mich etwas sehr intensiv beschäftigte oder aufregte. Alles Andere landete bei Twitter.
Dort gibt es Sinnloses, Politisches, aber auch viel Zwischenmenschliches. Nur fehlt in der Regel der Kontakt zu jenen Menschen, die ich im RL (so nennt man auf Twitter das echte Leben – das Real Life) kenne. Immer wieder haben sich zwar gerade durch Twitter auch neue, spannende Bekanntschaften ergeben. Doch nur höchst selten vermischen sich diese beiden Welten.
Darum hat es mich sehr gefreut, dass die ersten 5 Texte derart zahlreiche Feedbacks aus beiden Sphären ausgelöst haben. Drei der Beiträge habe ich via Facebook noch etwas gepusht, was zusätzlich einige Likes reingespült hat.
Mal sehen, wie lange ich durchhalte. Gut möglich, dass zwischendurch auch mal nur ein Song von YouTube zu sehen ist. Aber ich denke, in den schätzungsweise 8 Wochen, die noch vor uns liegen, darf das auch mal sein.
Ich freue mich weiterhin über jeder Leser*in und sogar noch mehr über Feedback, gerne auch hier in den Kommentaren. Und wer Ideen für Beiträge hat, die uns die Zeit etwas verkürzen… einfach melden.
Ok, wie man gesehen hat, habe ich mich jetzt über Tage bemüht, die Situation nicht nur positiv zu sehen, sondern auch ein paar Tipps zur möglichst angenehmen Bewältigung dieser Zeit abzugeben. Aber ich komme nicht umhin, auch über die etwas andere Sichten zu berichten. Nein, es ist nicht alles Schwarz und Weiss, aber manche Leute bewegen sich derart weit im roten Bereich, dass ich mal ein paar Worte dazu loswerden möchte.
Für Schnellleser ein wichtiger Hinweis: Sämtliche Videos und/oder Bilder in diesem Beitrag widersprechen meiner Sicht praktisch diametral.
Religiöse
Yep, wir haben Religionsfreiheit. Ich habe andernorts schon beleuchtet, wie ich es mit dem Glauben halte. Und natürlich kann grundsätzlich jeder an jene Fantasie glauben, die ihm am ehesten zusagt. Wenn es jedoch in Richtung Fanatismus oder anderen Wahnsinn geht, kann ich das nicht umkommentiert lassen.
Auf dem Bild sieht man eine Ansammlung von muslimischen Gläubigen in Bangladesch. Es sollen an die 30’000 Personen sein. Und wofür beten sie? Richtig, für Schutz vor dem Coronavirus. Es wäre lustig, wenn es nicht so unglaublich gefährlich wäre. Nun mag man sagen «klar, das sind Muslime in einem rückständigen Land». Ich würde dann entgegnen, dass wir leider nicht bis nach Bangladesch gehen müssen, um diesen religiösen Wahnsinn zu erleben.
Der Churer Weihbischof Marian Eleganti versteht nicht, warum man die Weihwasserbecken dieser Tage leer lassen solle. Auch kann er sich nicht vorstellen, wie man über die Kommunion angesteckt werden könnte. Schliesslich sei das ja der Leib Christi. Nein, mein Freund, es ist ein trockenes Stück Brot… nichts mehr. Und die Ansteckungsgefahr bei der Überreichung dürfte nicht zu unterschätzen sein.
Von den Hindus, die sich mit dem Trinken von Kuh-Urin vor dem Coronavirus schützen wollen, fange ich jetzt gar nicht erst an, ok?
Verschwörungstheoretiker
Durch einen Facebook-Freund bin ich auf den Verschwörungstheoretiker Bruno Württemberger aufmerksam geworden. Er steht hier stellvertretend für so viele Esoteriker und andere lustige Vögel, die sich auf YouTube eine Gefolgschaft aufgebaut haben, die deren Quatsch auch tatsächlich glaubt.
In seinem Fall ist es nun so, dass er aufgedeckt hat, dass das Coronavirus eben gar kein Virus ist. Ja, man staune! Weiter erzählt er von Lichtkriegern, die es sowieso schon schwer und momentan noch schwerer hätten. Die Ansteckungen seien in jenen Ländern, in denen 5G einsatzbereit sei besonders häufig. Und das Ganze habe auch mit Biorobotern zu tun, die aber aussähen wie Menschen.
https://youtu.be/Kx1SiuqzI0E
Mediziner
Besonders hartnäckig sind Falschinformationen dann, wenn sie von eigentlich vertrauenswürdigen Quellen stammen. Wolfgang Wodarg ist offenbar Lungenarzt und scheint sich eigentlich mit Viren auszukennen. Er meinte, dass es nichts wirklich Neues sei, dass Menschen an Coronaviren erkranken. Darum spricht er von Panikmache statt Pandemie. Wenn man die Zahlen aus Italien sieht und dazu betrachtet, wie sie sich auch hier entwickeln, kann man getrost davon ausgehen, dass er total daneben liegt.
https://youtu.be/p_AyuhbnPOI
Aber was ist mit der Meinungsfreiheit?
Tja, natürlich darf noch immer jeder seine Meinung haben und diese auch kundtun. Wenn die Meinung aber kompletter Humbug ist und man das wissenschaftlich belegen kann, muss man halt mit Gegenwind rechnen. Gerade in Zeiten, in denen das Ignorieren von Weisungen letztendlich für einen selbst oder jemanden im Umfeld tödlich sein kann.
Wir haben doch alle Tausende (oder in meinem Fall Zehntausende) Fotos auf unseren Handys. Vielleicht auch noch auf unseren Digicams, die irgendwo rumliegen. Warum nicht die Zeit zuhause nutzen, um die schönsten Bilder zu bearbeiten und daraus ein Fotobuch zu gestalten?
Ok, da war jetzt nicht Lighroom dran, sondern nur Snapseed.
Und wenn sich wirklich keine brauchbaren Bilder finden lassen… dann könnte das Buchen künftiger Ferien und damit die Aussicht auf zukünftig geschossene Fotos ein bisschen Vorfreude bringen. Tatsächlich hat beispielsweise EasyJet bereits den Flugplan bis Februar 2021 aufgeschaltet…
Yep, erst der dritte Tag. Es fühlt sich an, als wär’s bereits eine halbe Ewigkeit. Und es ist definitiv so: Der Mensch ist ein soziales Tierchen. Auch wenn ein paar Tage allein schön sein können, so macht gute Gesellschaft doch die meisten von uns irgendwie glücklich.
Ebenfalls glücklich macht uns…. singen. Das ist sogar irgendwie wissenschaftlich bewiesen. Doch was, wenn man nicht wirklich singen kann? Karaoke hilft weiter. Es geht nicht darum, möglichst schön zu singen, sondern einfach Spass daran zu haben. Und so wäre ich genau heute Abend in der Bar meines Vertrauens, um exakt das zu tun: Schlecht aber glücklich singen. Wäre.
Aber natürlich braucht man dazu keine Bar. Es braucht nicht einmal zwingend Alkohol (obwohl dieser ein wenig enthemmt). Darum hier ein paar Vorschläge für den heimischen TV:
Sich wie Bradley Cooper und Lady Gaga fühlen? Check. Shallow
Musik ist immer eine gute Idee. Und wenn sie vom Boss kommt noch ein bisschen besser. Hier gibt es das Konzert im Hyde Park von 2009 zu sehen und vor allem: zu hören. Enjoy.
Nett von Springsteen, dass er diese Perlen zur freien Verfügbarkeit ins Netzt stellt.
Spielen ist weiterhin eine gute Idee. Das haben auch der Servette FC und der Grasshopper Club gedacht und sich einen Schlagabtausch in online «Vier gewinnt» geboten. Gewonnen haben übrigens die Genfer. Und was spielt Ihr so?
Desinfizieren bleibt weiterhin Pflicht. Die traditionellen Mittel sind vielerorts Mangelware. Findige Schnapsbrenner haben die Chance genutzt und ihre Produktion auf die Nachfrage ausgerüstet. Geschäftlich haben wir unseren Bedarf bei der Brennerei Lüthy in Muhen gedeckt. Netter Nebeneffekt: Die Hände riechen ein bisschen nach Fasnacht oder Après Ski.
Netflixen wird vielleicht nicht mehr lange im grossen Stil möglich sein. Ich bin gerade an der letzten Staffel Jessica Jones und an der zweiten von Altered Carbon. Beides durchaus empfehlenswert, ausser man legt ausdrücklichen Wert auf Realitätsnähe. 😉
Der Hype ist Realität geworden. Und er wird uns noch eine ganze Weile begleiten. Gestern hat der Bundesrat den sogenannten Lockdown bis und mit 19. April beschlossen.
So schön verordnete Freitage für die einen vielleicht klingen mögen (immer vorausgesetzt, man wird trotzdem bezahlt), so schnell dürfte einem unter diesen Umständen die Decke auf den Kopf fallen. Die sporadischen Treffen mit Freunden ausser Haus einfach nachhause zu verlagern ist leider keine Option. Die Anzahl der Menschen, die man trifft, sollte man auf einem absoluten Minimum halten. Was also tun? Hier mal ein paar Vorschläge:
Musik tut immer gut
Richtig, die echten Konzerte fallen momentan ausnahmslos aus. Und auch wenn ich schon Tickets für das Blue Balls Festival gekauft habe, so frage ich mich trotzdem, ob die Geschichte bis dann vorbei sein wird. Also hole ich mir die Konzerte der Vergangenheit halt ins Wohnzimmer. Die Playlist beinhaltet mittlerweile über 180 Konzertmitschnitte, die ich in den letzten Jahren aufgenommen habe.
Nein, ich meine nicht diese Spiele. Tatsächlich gibt es aber auch coole Gesellschaftsspiele, die sich zu zweit spielen lassen. Mit Kampf gegen das Bünzlitum funktioniert das leider nicht. Darum habe ich jetzt Imothep – das Duell und Tara Wolf im Purzelbaum Zofingen bestellt. Ich werde hier berichten, wie gut ich die beiden finde.
Fotografieren – auch alleine und ohne Kamera
Ok, ganz ohne Kamera geht’s natürlich nicht. Aber es muss keine explizite Fotokamera sein. Die heutigen Handys haben dermassen aufgerüstet, dass man damit ziemlich coole Bilder machen kann. Und wenn das rohe Ergebnis nicht überzeugt, kann man mit einer App wie Snapseed noch einige Punkte verändern oder Text hinzufügen. Das Ganze dann auf Insta oder Facebook veröffentlichen, et voilà!
Schreiben – auch ohne Papier
Du wolltest schon immer Dein eigenes Buch schreiben? Macht doch heute fast jeder. Jetzt hast Du massig Zeit dafür. Ich verwende der geringen Ablenkung wegen eine App namens iA Writer zum Verfassen längerer Texte. Ich finde sie viel angenehmer als beispielsweise Word.
Twittern – auch ohne Sinn
Twitter ist noch immer so etwas wie eine Black Box, deren Faszination sich schwer erklären lässt, ausser eben, man probiert es selbst aus. Einfach einen Account einrichten, einigen Leuten folgen und ein paar Tweets raushauen. Es müssen echt keine bahnbrechenden Weisheiten sein.
Und natürlich nicht vergessen, mir zu schreiben, damit ich folgen kann. 😉
In Anbetracht des enormen Hypes um das «Coronavirus» haue ich mal wieder in die Tasten.
Es wäre einfach, «die Medien» für den aktuellen Hype zu blamen. Klar, der Blick hat grosse, manchmal sogar rote Buchstaben und würzt mit Ausrufezeichen nach. Aber das ist nun mal einfach die Sprache des Boulevards. In den «seriöseren» Zeitungen steht im Prinzip genau die gleiche Message, nur halt in kleinerer Schriftgrösse und möglicherweise mit weniger Adjektiven. Das ist jedoch auch bei jedem Fussballspiel oder jeder entscheidenden Handlung Donald Trumps so. Also: Calm down. Und nein, die Medien sind nicht schuld.
Aber wer dann? Wenn ich das Verhalten gewisser Mitmenschen so anschaue, lande ich schnell bei der Bildung. Uns hat man vor etwas mehr als 10 Jahren ganz ohne Instruktion ein paar neue Tools in die Hände gegeben. Social Media, häufig also Soziale Medien übersetzt, hat wirklich viele Vorteile. Gerade in Zeiten von COVID-19 zeigen sich aber auch die Nachteile. Es ist sehr einfach, verschwörerische Gedanken zu verbreiten und eher nicht so einfach, Fakten zu überprüfen. Klar, es gibt Seiten wie Correktiv, Snopes oder andere, die sich um Einordnung bemühen. Wie gerne wir trotzdem auf Fakes reinfallen, zeigt die Anzahl meiner Facebookfreunde, die immer noch glauben, sie könnten ein Wohnmobil/Ford Mustang/whatever gewinnen, wenn sie unter einem bestimmten Post einen Kommentar absetzen. Manchmal könnte man fast meinen, dass wir gerne verarscht werden.
Also, das Verstehen und Einordnen von Botschaften muss verstärkt gelehrt und gelernt werden. Der Umgang mit Social Media muss ebenso gelernt werden, auch wenn in diesem Bereich viel «learning by doing» ist, weil sich die Kanäle nicht nur laufend Anpassungen im Detail erfahren, sondern weil auch immer mal wieder völlig neue Dienste relativ schnell ein grosses Publikum erreichen. So weit, so Common Sense. Was noch?
Statistik. Ja, Statistik. Und ja, ich weiss, vertraue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Haha. Darum geht es nicht. Sondern darum, Kennzahlen zu verstehen und einordnen zu können. Natürlich ist Angst nie rational. Und doch bin ich der Überzeugung, viele Menschen, die sich nun enorm sorgen, könnte man mit ein bisschen Hintergrundinformation einen Teil ihrer Angst nehmen. Aber Begriffe wie Inkubationszeit, Mortalität oder auch Worst Case Scenario muss man zuerst einmal verstehen.
Gerade die Inkubationszeit scheint mir im Fall vom COVID-19 ein grosses Problem zu sein. Sie wird aktuell mit durschnittlich 7 Tagen angegeben, wobei es auch noch länger dauern kann.
Der Erreger kann auch während der Inkubationszeit von Mensch zu Mensch übertragen werden. Infizierte sind demnach schon während der oft zehntägigen Inkubationszeit ansteckend, ohne dass sie Symptome zeigen. Dies trägt maßgeblich zu einer schnellen Verbreitung des Virus bei und macht die Eindämmung problematisch.
Zur Mortalität gibt es momentan noch recht unterschiedliche Angaben. Sie ist am Ursprung in der chinesischen Provinz Hubei relativ hoch (ca. 3 – 4%). Dazu sollte man wissen, dass die Mortalität bei einer üblichen Grippewelle bei ca. 0,1% liegt. Es schaut momentan so aus, als liege sie bei COVID-19 ausserhalb des Ursprungsgebietes bei 0,2 – 0,7%.
Was Epidemienforscher Christian Althaus zu einem Worst Case Szenario gesagt hat, halte ich für sehr unglücklich.
NZZ: Es könnte also drei Millionen Infizierte in der Schweiz geben. Bei einer Sterblichkeit von einem Prozent sprechen wir von 30 000 Toten. Althaus: Ja. Ein solches Worst-Case-Szenario ist nicht ausgeschlossen.
Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, aber es handelt sich eben um den worst case, den allerschlechtesten Fall. Das hätte er betonen müssen. Denn die Bevölkerung ist derart sensibiliert, dass heute solche Details entscheiden können, ob bei leshop.ch und coopathome.ch die virtuellen Regale an Grundnahrungsmitteln und Schutzmasken leerbestellt werden. Auf der anderen Seite gibt es auch Ärzte wie Josef Widler, die begreifen, dass es sinnvoll sein könnte, Ruhe zu bewahren.
Die Absagen von Grossveranstaltungen wie dem Engadiner Skimarathon oder dem Carnevale in Venedig können sinnvoll sein, weil grosse Ansammlungen von Menschen auch ein entsprechend erhöhtes Risiko von Ansteckungen zur Folge haben. Doch ist unsere Welt inzwischen viel zu vernetzt, dass man mit Grenzschliessungen oder ähnlichen Massnahmen eine Verbreitung des Virus› verhindern könnte.
Was kann man selbst tun, um sich zu schützen? Eigentlich nicht so viel. In die Armbeuge niesen oder husten wird von allen Experten empfohlen, ebenso wie das regelmässige Händewaschen. Dass man nicht in Gebiete gehen sollte, die bereits für eine starke Verbreitung des Virus› bekannt sind, liegt auf der Hand. Auf der Website des BAG gibt es dazu nähere Informationen dazu.
Was soll man nicht unbedingt tun? Nun, der damalige Armeechef Blattmann meinte zwar 2014 noch, man wisse nie und würde am besten gleich hunderte Liter Trinkwasser und andere Notvorräte lagern. Ich halte das nicht nur für praxisfremd, sondern auch für unnötig. Ebenso unnötig, ja kontraproduktiv ist das Befeuern von irgendwelchen Verschwörungstheorien à la » das sind die Amerikaner, denen ist der Erfolg der Chinesen schon lange ein Dorn im Auge». Das hat vielleicht bei Ganser Platz, es ist aber nur schon aufgrund der enormen Interdependenz einfach dermassen realitätsfremd, das höchstens die so geschürten Ängste politisch nutzbar sind.
Womit wir wieder am Anfang wären: Social Media und die dortigen Inhalte auch in solchen Zeiten sinnvoll nutzen und einordnen, Statistiken anschauen und zu verstehen versuchen und nicht zuletzt einen kühlen Kopf bewahren.
Tja, ich war genau einen Tag zu früh. Darum kurz ein Update: Inzwischen hat der Bundesrat eine Regelung aktiviert, nach welcher Anlässe mit mehr als 1000 Teilnehmenden verboten sind. Somit sind Veranstaltungen wie die Basler Fasnacht oder der Autosalon in Genf (GIMS) automatisch abgesagt. Ich halte diese Massnahme nicht nur für übertrieben, sondern auch unnötig eskalierend was die Stimmung in der Bevölkerung betrifft.
Es ist wohl Zeit für ein weiteres Update. Je mehr ich darüber lese, desto mehr gelange ich zum Schluss: Doch, das Verhalten des BAG war richtig. Vielleicht hätte man sogar noch krasser reagieren müssen. Grundsätzlich zeigt sich in praktisch allen Ländern, die früh eine relativ hohe Fallzahl hatten eine exponentielle Zunahme der Fälle. Das Beispiel Italien zeigt, wie schnell dann ein totaler Lockdown das Einzige ist, was man noch gegen eine weitere Verbreitung tun kann.
«Flatten the Curve» ist wohl alles, was wir momentan tun können. Auf Deutsch: Die Kurve plätten. Es geht darum, den extremen Anstieg der Fälle zu verhindern, damit unser Gesundheitssystem die Neuansteckungen versorgen kann. Was passiert, wenn man das nicht schafft, berichtet der italienische Arzt Daniele Macchini aus dem Spital in Bergamo:
Die Zahl der Fälle multipliziert sich. Aktuell liefern sich 15 – 20 Personen täglich selbst ein. Die Resultate der Tests sind alle gleich: positiv, positiv, positiv. Plötzlich bricht die Intensivstation zusammen.
Diese Situation soll verhindert werden. Und genau darum sollte man die Anweisungen des BAG durchaus ernstnehmen. Panikkäufe von Nudeln, Mehl und anderen Grundnahrungsmitteln sind noch immer unangebracht. Ein ruhiges, überlegtes Verhalten ist weiterhin angesagt. Dazu gehört auch, die Verschwörungstheorien weiterhin auszublenden.
Normalerweise äussere ich mich nicht zu Themen, die mich persönlich betreffen. Da habe ich in der Vergangenheit in vielen Fällen eine Linie gezogen, da ich mich nicht exponieren möchte. Zwei mit Adoption im Zusammenhang stehende Themen haben mich aber derart aufgewühlt, dass ich mich nun irgendwie äussern muss. Das eine ist die Diskussion um die Ehe für alle (#ehefüralle), wo es immer wieder auch darum geht, wer adoptieren darf und wer nicht. Das andere ist der Skandal um die Adoptionen aus Sri Lanka in den 1980er-Jahren, wo sich immer mehr zeigt, dass da teilweise kriminelle Vorgänge abliefen. Ich versuche mal, zu beidem etwas zu schreiben.
Sri Lanka
Im Beitrag der Rundschauf auf SRF1 vom 16. Mai 2018 wird verhältnismässig objektiv über die Geschehnisse in den 1980er-Jahren berichtet. Offenbar war es in Extremfällen so, dass Kinder ihren Eltern ohne deren Einverständnis weggenommen wurden, um sie dann zu verkaufen. Vor Gericht tauchte dann nicht die echte Mutter, sondern eine Schauspielerin auf. Natürlich ist es heute schwer herauszufinden, wer wirklich auf diese kriminelle Art zur Adoption freigegeben wurde, zumal eine der Mitverantwortlichen aus der Schweiz die Vermittlerin Alice Honegger war, die in 1997 gestorben ist. Weiter soll es sogenannte Baby Farms gegeben haben. Um den Bedarf an Adoptivkindern zu decken, sollen sie dort regelrecht «produziert» worden sein.
Etwa 700 Kinder wurden in jener Zeit aus Sri Lanka in die Schweiz vermittelt. Eines davon war ich. Schwer zu sagen, wie gross der Anteil jener war, die diesen Weg auf illegale Weise gegangen sind. Alice Honegger habe 250 Dossiers hinterlassen, die ihr Adoptivsohn auf Verlangen den Behörden abgeben würde.
Natürlich gibt es verschiedene Aspekte, die berücksichtigt werden sollten. Am Ende bleibt es aber eine Tatsache: Viele Kleinkinder aus Sri Lanka wurden in jener Zeit ihren Müttern entrissen. Wenn das heute noch irgendwie möglich ist, wäre es zwingend notwendig, die noch lebenden Beteiligten juristisch zu verfolgen und entsprechend zu bestrafen.
Ich hatte Glück. Viel Glück. Ich bin nicht nur in einem der sichersten und freiesten Länder der Welt gelandet, sondern habe auch noch tolle Eltern «erwischt», die sich immer liebevoll, unterstützend und wohlwollend um mich gekümmert haben. So wie man das mit einem Kind halt macht. Sie sind meine Eltern. Hier ist meine Heimat.
Doch viele Adoptierte können das entweder nicht von sich behaupten, oder sie haben irgendwann eine Identitätskrise, in der der dringende Wunsch erwacht, die biologischen Eltern zu finden und kennenzulernen. Oder sie entwickeln einfach eine enorme Neugier für die eigenen «Wurzeln». Das hatte ich nie. Doch gerade für jene Suchenden ist es dann emotional umso brutaler, wenn sie von diesen missbräuchlichen Abläufen erfahren. Es drängt sich die Frage auf: «Vermisst mich meine Mutter seit über 35 Jahren?» Das Unwissen schmerzt noch mehr, wenn man erfährt, dass die leiblichen Eltern vielleicht nie die Absicht hatten, ihr Kind abzugeben. Eine traurige Geschichte, die danach schreit, das sie von offizieller Seite beider Länder richtig aufgeklärt wird.
Ehe für alle
Dass Homosexuelle nicht mehr benachteiligt werden, sollte im 21. Jahrhundert eigentlich selbstverständlich sein. Immer wieder erlebe ich aber, dass dem im konkreten Fall dann eben doch nicht so ist. So ist die Heirat noch immer nicht möglich, nur die eingetragene Partnerschaft. In den letzten Tagen hat mich das Gefühl beschlichen, dass dies vor allem aus der Angst heraus abgelehent wird, Homosexuelle (vor allem männliche) könnten irgendwann Kinder adoptieren.
In dieser Beziehung hat sich der Präsident der Luzerner CVP mit einem Tweet in die Nesseln gesetzt. Inzwischen hat er seinen Account gelöscht. Was er geschrieben hat, vergesse ich so schnell aber nicht:
Mann + Frau: geht
Frau + Frau: geht irgendwie
Mann + Mann: geht nicht
Es war darauf bezogen, dass biologisch eben nur Frauen Kinder bekommen können. Mittels künstlicher Befruchtung wäre das auch bei einem rein weiblichen Paar möglich, bei einem männlichen naturgemäss nicht. Die Fehlüberlegung ist aber offensichtlich: Wenn eine Hetero-Paar ein Kind adoptieren möchte, ist es ja häufig so, dass eben die «natürliche Variante» nicht geklappt hat. Dem Gedankengang von Ineichen folgend würde das dann bedeuten, das diesen Hetero-Paaren eine Adoption verwehrt bliebe. Einer ähnlichen Denke folgt Armin Züger, der (komischerweise?) der gleichen Partei wie Ineichen angehört.
Mit dem, was da steht, können wir leben. Kein halbwegs normaler Mensch wird sich ernsthaft wünschen, Kinder wie ein T-Shirt kaufen zu können. Doch dahinter liegt natürlich ein anderer Gedanke. Später in diesem Twittergespräch hat er in auch formuliert: Es sei eben nicht natürlich.
Ich erlebe nicht selten, dass der Begriff «natürlich» verwendet wird, wenn man etwas positiv hervorheben will. Dabei geht vergessen, das nichts was wir heute im Alltag regelmässig brauchen wirklich natürlich ist. Möchten wir darauf nun einfach verzichten, weil es nicht natürlich ist? Wohl kaum. Und dann ist da natürlich die Medizin, die so manch «natürliche Unsicherheit» zu korrigieren weiss. Gerade auch während Schwangerschaften wird medizinisch eingegriffen.
Die Natur würde eine weitaus höhere Todesrate vorsehen. Das kann man nicht wirklich wollen, oder Armin Züger? Meine Einschätzung ist sowieso, dass dieses «das ist nicht natürlich»-Argument immer dann gebracht wird, wenn man sich den wahren Grund nicht zu nennen getraut. Auch wenn er sagt, sein bester Freund sei schwul, vermute ich dennoch eine gewisse Ablehnung von Homosexualität.
Ganz bestimmt sind sowohl Züger als auch Ineichen gegen die Adoption von Kleinkindern durch Schwule. Denn das wäre ja nicht natürlich. 😉 Wenn sie ehrlich wären, würden sie wahrscheinlich sagen, dass sie homosexuelle Beziehungen als minderwertig einschätzen. Sie würden auch sagen, dass sie Angst hätten, dass Kinder mit homosexuellen Eltern schlechter erzogen würden. Wahrscheinlich sogar, dass diese Kinder die Tendenz hätten, selbst homosexuell zu werden.
Doch kommen wir zurück von den Mutmassungen in die Realität: Nicht alle Hetero-Eltern sind super, auch wenn sie «natürlich» sind. Nicht alle Kinder haben zwei Elternteile, aus welchen Gründen auch immer. Mit welcher ernsthaften Argumentation kann man wirklich darlegen, dass homosexuelle Eltern automatisch und bedingt durch ihre Homosexualität schlechtere Eltern und somit auch schlechter für das Kindswohl sind? Und wenn man das nicht kann, wovon ich ausgehe, wie kann man dann mit rationalen Argumenten die Adoption von Kindern durch ein sich liebendes homosexuelles Paar ablehnen?
Es scheint fast so, als könnte ich momentan nur dann wirklich schreiben, wenn ich mich so richtig ärgere. Insofern ist die lange Pause zwischen den hier erscheinenden Beiträgen ja eigentlich ein richtig gutes Zeichen.
Gegendarstellung von Armin Züger:
Ich habe nichts gegen Adoption durch Homosexuelle. Ich habe auch keine Angst dass Kinder von Homosexuellen selber homosexuell werden könnten. Ich halte homosexuelle Beziehungen nicht für minderwertig. Das «unnatürlich» beziehe ich auf Leihmutterschaft und Reagenzglas-Befruchtung. Für mich steht das da etwas zu wenig klar, dass es sich um Mutmassungen handelt. Es entsteht der Eindruck ich sei Homosexuellen gegenüber negativ eingestellt. Was nicht stimmt.
Der Spruch ist kein Zufall: In den 1990ern war ich wie Viele meines Alters ein Fan der X-Files. Scully und Mulder sind für mich Legenden, die beiden Schauspieler sowieso. (Toll in Californication und Hannibal) Aber das sollte ja nur der Einstieg werden. Den wer die Serie kennt, kennt auch das Poster, das bei Fox Mulder an der Bürowand hing. I want to believe stand da drauf. Und mir ging es damals ja selbst ein bisschen so. Ich wollte die abstrusesten Dinge glauben, die einem da aufgetischt wurden. Im Abspann stand ja auch immer, die Erfolgsserie sei von wahren Ereignissen inspiriert. So ist es auch mit den Verschwörungstheorien, die uns tagtäglich um die Ohren gehauen werden. Das wäre nicht schlimm, würden wir filtern und darüber grinsen. Cool, was da wieder jemandem eingefallen ist. Ja, darüber könnte man einen tollen Film machen. Vielleicht eine (abermalige) Fortsetzung der X-Files zum Beispiel. Aber das Zeug für bare Münze nehmen? No thanks.
Es passiert mir momentan täglich, dass irgendjemand findet, «den Medien» könne man ja sowieso nicht glauben. Da hakt es bei mir natürlich nur schon beim Begriff «die Medien» ziemlich mächtig. Die Medienlandschaft der Schweiz ist nun wirklich nicht mehr die heterogenste. In Luzern führte die Entwicklung die letzten 30 Jahre über von 3 Tageszeitung zu einer, die irgendwie auch keine mehr ist. Trotzdem gibt es verschiedene Verlagshäuser, die sich gerne die Primeurs vor der Nase wegschnappen. Die AZ-Gruppe, Tamedia, die NZZ-Gruppe und Ringier beherrschen den Markt bei jenen Zeitungen, die noch nicht gratis aufliegen. Dann gibt es noch politisch gefärbte Bezahlzeitungen und -magazine wie die Weltwoche, die BaZ oder auch die WOZ. Alles in allem ein doch recht bunter Kanon, oder? Dazu kommt natürlich die Berichterstattung des dominanten Marktteilnehmers im TV- und Radio-Bereich: SRF. Dazu kämen noch die Agenturen, die den genannten Meldungen zur Verfügung stellen.
Nun meine Fragen zum Thema:
Inwiefern hätte diese deutschschweizer Gruppe aus wichtigen Medienhäusern nun ein Interesse, hinter dicken Stahltüren eine Strategie auszuhecken, um uns mit den genau gleichen News sozusagen fernzusteuern?
Angenommen, es gäbe die immer wieder implizierten Absprachen tatsächlich, in welche Richtung würden sie gehen?
Und vielleicht der zentrale Punkt: Wer würde das ganze steuern?
Zu guter Letzt hätte ich dann gerne auch noch ein paar Beweise für die offenbar als gross angelegte Verschwörung agierende Medienlandschaft. (Ja, das war keine Frage, sondern eine Hausaufgabe, I know)
Meine drei kurzen Thesen:
Die Welt ist nicht bloss schwarz und weiss, aber wir hätten gerne, dass sie es wäre. Einfache Erklärungen sind uns lieb. Sie sind das Erfolgsgeheimnis von Populisten… und «alternativen Medien».
Während von den «Zweiflern» sehr hohe Ansprüche gestellt werden, wenn es um Seriosität und Recherchearbeit von Mainstreammedien geht, glaubt man den «kritischen Medien» nur schon deshalb, weil sie etwas Abweichendes schreiben.
Es ist irgendwie auch ein bisschen cool, die «geheime Wahrheit» über 9/11 zu wissen.
Grundsätzlich bin ich für einen kritischen Umgang mit Informationen. Einfaches Glauben hat die Menschheit noch nie weiter gebracht. Dass man nun aber primär einfach jenen Glauben schenken will, die etwas Anderes als die Mehrheit der Medien berichten, halte ich für eine ziemlich dämliche Strategie. Ich würde behaupten, dass diese «alternativen Medien» weit intransparenter und abhängiger von Geldgebern agieren, als die oben genannten.
Die Welt ist nicht so einfach zu erklären. Und in Zeiten einer weiter fortschreitenden Interdependenz wird sich das auch nicht ändern. Ein Mensch, der offenbar in der Welt einfacher «Tatsachen» lebt, ist der aktuelle US-Präsident. Ein besonders schönes Beispiel waren die geplanten Strafzölle für ausländische Autobauer. Die Deutschen sollen mal lieber in den USA Fabriken bauen, meinte er. BMW konterte mit etwas, was ihm jeweils abgeht: Mit Fakten. Die Bayern sind offenbar der grösste Autoexporteur der USA.
Vielleicht verhält es sich mit den geäusserten Verschwörungstheorien ein bisschen wie mit der Partizipation in einer Demokratie. Ich höre nicht selten, dass die da in Bern oben ja sowieso machen würden, was sie wollten. Dies obwohl wir ein System haben, das eine sehr starke Mitbestimmung am politischen Prozess erlaubt. Kommt dazu, dass wir «die in Bern oben» ja auch noch wählen. Trotzdem fühlen sich viele SchweizerInnen ohnmächtig, was die Mitbestimmung anbelangt. Umgemünzt auf Informationen und Presse würde ich sagen, dass man gerade in einer Welt, in der man fast alles live miterleben kann, was sich so tut, immer weniger das Gefühl erhält, tatsächlich informiert zu sein. Und da liegt es natürlich nahe, nicht dem eigenen beschränkten geistigen Vermögen, sondern einer gezielten Verschwörung die Schuld zu geben. So nach dem Motto: Ich möchte mich ja informieren, werde hier aber nur mit strategisch vorgefertigten Artikeln abgefertigt, mit denen man mich gefügig machen will. (Und ja, ich weiss, wie abstrus das klingt. Es handelt sich um einen Erklärungsversuch)
Ich weiss noch, wie wir Ende der 1990er-Jahre gedacht haben, die Informationslage werde nun für alle besser. Am Anfang wurde sie das vielleicht sogar. Inzwischen ist zwar der Zugang zu Information tatsächlich für sehr viele Menschen einfach geworden. Schwieriger ist nur das, was gerade bei heiklen Informationen sehr weit oben auf der Prioritätenliste stehen sollte: Die Überprüfung der Quellen. Wem können wir glauben, wem nicht? Weshalb sagt jemand das, was er sagt und wieso deckt sich das nicht mit dem, was jemand anderes sagt? Nein, einfacher ist der Umgang mit Information definitiv nicht geworden. Aber wir sollten der Versuchung widerstehen, die Mainstreammedien als ferngesteuert zu betrachten. Weiter sollten wir gerade bei «alternativen Medien» kritisch sein, wenn diese Informationen anderer Medien als unwahr darstellen; besonders natürlich dann, wenn keine offenkundigen Beweise dargelegt werden. Und wir sollten immer dann vorsichtig sein, wenn uns jemand eine einfache Wahrheit erklären will. Meistens ist diese dann weder wahr noch einfach.