capote

es ist wohl philip seymour hoffmans rolle des lebens: er spielt den egozentrischen schriftsteller truman capote. dieser gilt als erfinder des non-fictional-novel.

der simple raubmord in kansas entwickelt sich für capote zur goldgrube. es gelingt ihm auf seine spezielle weise kontakt mit den verdächtigen zu knüpfen. immer wieder besucht er die beiden im gefängnis, eine seltsame abhängigkeit entwickelt sich. die beiden mörder sehen im schriftsteller ihre letzte hoffnung, vor der todesstrafe gerettet zu werden. capote wiederum sieht vor allem die chance, den bedeutensten roman seines lebens zu schreiben, schliesslich spielt sich das drama in der realität ab. so bezahlt er die anwälte, damit die vollstreckung weiter hinausgeschoben wird. perry, mit dem er eine besonder enge beziehung pflegt, soll ihm endlich schildern, was in der mordnacht genau passierte.

capote ist ein sehr ruhiger film. er zeigt ein portrait eines nonkonformen schriftstellers, der durchaus als eingebildetes arschloch durchgeht. seine komische stimme und der drang, sich stets in den mittelpunkt zu stellen machen ihn nicht gerade sympathischer. und doch schaut man ihm gerne zu, weil er halt so clever ist. schliesslich sagt er von sich selbst, er könne 94% aller eindrücke in seinem hirn speichern.

alleine philip seymour hoffman ist es wert, dass man sich diesen film ansieht. er spielt mit einer inbrunst, dass es einem kalt den rücken runter läuft.

pink panther

ein weiteres remake. eine weitere pleite? weit gefehlt. ich muss es gleich am anfang loswerden:pinkpanther ist richtig lustig. natürlich werden die einen sagen, «peter sellers hätte das aber besser gekonnt», «im original war das aber anders», «die amis haben halt keinen humor». aber wer dem film eine chance gibt, der wird ihn lachend geniessen können.

steve martin als inspektor clouseau bemüht sich einen französischen accent in sein englisch einfliessen zu lassen. auch kevin kline muss sich französisch geben. nur jean reno spricht fast akzentfrei englisch.

die geschichte an sich ist ja bekannt: ein unaufgeklärte mord und ein gestohlener diamant. der oberinspektor will, um die ermittlungen in aller ruhe selbst zu leiten, an der front einen trampligen dorfidioten von polizist den fall medienwirksam lösen lassen. clouseau fährt vor und sieht sich bestätigt. er hatte ja immer gewusst, wie supér er sei. 🙂

auch das ende ist klar. clouseau löst den fall und der oberinspektor guckt in die röhre. dazwischen gibt’s viel slapstick aber auch satten wortwitz. und natürlich versteht clouseau ständig alles falsch. bei der pressekonferenz wird er gefragt: «do you know if the killer was a man or a woman?» clouseau: «of course it was. what do you think, a kitten??» so läuft das den ganzen film. und wie gesagt: auch komödienmuffel werden sich erheitern können. zumal bestimmt auch jemand im kinosaal ist, der einfach von der ersten bis zur letzten minute durchgröhlt.

ach ja, die behämmerte beyoncé spielt ja auch noch mit. ich denke, die ist nur marktingtechnisch nötig, spielen kann sie nämlich nicht, also höchstens sich selbst, was sie zwar ja auch tut… und auch mit dabei ist clive owen in einer ganz coolen nebenrolle als britischer agent.

lord of war

nicholas cage ist yuri orlov und der ist der vielleicht beste waffenschieber der welt. im film ist yuri gleichzeitig hauptdarsteller und erzähler. die ganze geschichte wird also aus der sicht desbadguy serviert. das ist reizvoll, birgt aber auch eine gewisse gefahr der verharmlosung in sich.

lord of war ist in der tat ein eindrücklicher film. der beginn mit der reise einer kugel führt den zuseher in die gewaltreiche welt des waffengeschäfts ein. danach verzichtet andrew niccol (regisseur) zwar auf ähnlich effektvolle schnitte oder aussergewöhnliche einstellungen, trotzdem kann man sagen, dass der film sehr gut gemacht ist.

yuri orlov steigt also ins big-business der waffenschieberei ein und lernt bald, dass er absolut gewissenlos handeln muss. im wissen, dass seine waffen von kindern gegen kinder eingesetzt werden, schliesst er geschäfte mit dem präsident liberias ab. nach dem ende des kalten krieges geht es so richtig los: die russischen kalashnikovs müssen an den mann gebracht werden.

der film bleibt trotz linearem verlauf und relativ simpler story spannend. es besteht aber die gefahr, dass man orlov zu sympathisch findet. und der präsidents liberias ist ganz klar zu lustig drauf, was völlig unpassend ist. ansonsten istlordofwar aber ein erschütterndes portrait einer noch immer florierenden branche. die zusammenhänge werden gut aufgezeigt und es wir auch klar, dass waffenschieber keine ‹rumballernde psychopathen sein können, wenn sie erfolgreich sein wollen. unnötig ist der moralisierende hinweis am ende, dass die un-sicherheitsratsmitgliedstaaten noch immer die grössten waffenhersteller sind. es wirkt ein bisschen so, als wolle man am schluss noch zeigen, dass der sympathisch rüberkommende orlov eben doch ein böses arschloch sei. ansonsten wird die hollywood-schwarzweissmalerei aber äusserst klein geschrieben, was den film zu einem must-see macht.

stealth

wenn ihr mal einen wirklich miesen film schauen möchtet… gibt’s ja manchmal… dann bietet sich stealth wirklich an. und als schlechter film ist er sogar richtig gut.

and the oscar goes to… l.a. crash!

ich habe es zwar schon längst gesagt, aber die jungs von der academy brauchen jeweils etwas länger: l.a. crash holt den oscarbester /film./

[liste der gewinner (tagesanzeiger)|http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/news/vermischtes/600113.html]
mein kurzreview von l.a. crash

keine überraschung: narnja war so schlecht, dass gerade mal der oscar für das beste makeup übrig blieb. und dass king kong trickteschnisch brilliant ist, habe ich auch schon geschrieben…

syriana

zusammen mit vielleicht 6 anderen leuten sah ich gestern in luzern (im moderne, also einem grossen kino) die premiere von syriana. vielleicht war auch die fasnacht schuld, dass nicht mehr leute den weg ins kino fanden. egal.

der film ist recht schwer zu beurteilen. er begeht ganz sicher den grundsätzlichen fehler, viel zu viel sagen zu wollen und dies in gar nicht sooo langer zeit (126min.). es gibt drei geschichten und auch drei hauptpersonen: anwalt bennet holiday (jeffrey wright), cia-agent bob barnes (george clooney) und berater bryan woodman (matt damon). die drei verschiedenen perspektiven wären an sich sehr interessant, nur fehlt dem zuschauer der rote faden. das äussert sich auch darin, dass der film an mindestens vier verschiedenen orten spielt (genf, washington d.c., teheran, beirut).

im prinzip dreht sich alles ums öl. und darum, dass die amis alles tun, um die an die reserven in kasachstan ranzukommen. hm, wenn ich es mir überlege gibt es sogar noch eine vierte geschichte und eine vierte person, nämlich die von washim (mazhar munir). ein armer pakistani, der durch die grosse fusion arbeitlos wird und sich in seiner hoffnungslosen lage perfekt zum selbstmordattentäter eignet. die fusion von multi connex und «kleinbetrieb» killen (welche ein name für eine firma!) soll den zugang zu den erwähnten ölreserven sichern.

aber wie gesagt, das ganze ist zu kompliziert. dabei hätte syriana durchaus ansätze, aus denen man einen genialen film hätte machen können. so zum beispiel die geschichte des selbstmordattentäter: endlich wird mal kein religiöser fanatiker gezeigt, sondern einer, der nichts hat, auch nichts mehr zu verlieben, und er ist eigentlich nicht mal muslim. die korrupte amerikanische ölgeschäftswelt ist schwer zu durchschauen, man erhält aber zumindest einen eindruck, wie es da abgehen könnte. auch die cia spielt eine zweifelhafte rolle.

klar, der film ist von einem demokraten gemacht. aber filme von republikanern, wo die amis am schluss die grossen gewinner über eine feindnation (früher die bösen russen, heute die gierigen chinesen) sind gibt es bestimmt genug. alleine darum verdient syriana auch eine gewisse aufmerksamkeit.

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zum titel hab ich bei cineman.ch was gefunden:

Der Titel «Syriana» ist erklärungsbedürftig. Er bezieht sich auf die Vision rebublikanischer Politberater, aus den ölreichen Ländern Syrien, Iran und Irak einen von den USA kontrollierten Staat zu schmieden.

casanova

weil’s inmemoirsofageisha nur noch plätze ganz vorne gab, haben wir uns haltcasanova angesehen. zugegeben etwas wider willen.

doch der film vermochte positiv zu überraschen. die vermeintlich antiquierte liebesschnulze wurde zu einer meist recht flotten komödie aufgemotzt. elegant weicht der regisseur eventuellen schlüpfrigkeiten aus und macht den film schon fastzu jugendfrei. in der tat bleibt der sex weitgehend aussen vor. denn casanova (heath ledger) verliebt sich «überraschend» und versucht die gunst seiner angebeteten (sienna miller) zu erarbeiten. da es sich bei dieser um eine ausnahmsweise emanzipierte dame handelt, ergeben sich einige komplikationen. ausserdem ist die frau, die casanova begehrt bereits zur heirat versprochen. kurzerhand schlüpft casanova in die rolle des zukünftigen ehemanns und die grosse verwechslungsgeschichte kann beginnen.

das klingt jetzt zwar alles ein bisschen altbacken und fast dorftheäterlimässig. aber das schauspielerensemble schafft es irgendwie das ganze nicht peinlich, sondern wirklich amüsant zu spielen. die mit wortwitz gespickten dialoge verlieren viel in ihrer deutschen übersetzung. leider fällt mir gerade kein treffliches beispiel ein.

anyway. kann man sich ansehen. muss man aber nicht. wenn, dann unbedingt auf englisch.

grounding – die letzten tage der swissair

in relativ kurzer zeit haben über 200’000 leute den niedergang der swissair auf der leinwand betrachtet. zurecht?

gleich zu beginn des filmes wird darauf hingewiesen, dass es sich nicht um einen dokumentarfilm handelt. trotzdem verwischen die grenzen zwischen realität und film. es besteht die gefahr, dass man alles, was im film passiert, für bare münze nimmt. immer wieder das unangenehme gefühl in der magengegend: mann, wenn das wirklich so war!

was führt zu dieser wahrnehmung? primär sind es die hervorragend agierenden schauspieler. allen voran gilles tschudi. weiter sind es die immer wieder eingeflochtenen zeitzeugen in form von tagesschaumitschnitten. und zum dritten sind es die swissairfarben: schwarz, braun, weiss und rot dominieren den film.

die story ist überraschend spannend, schliesslich weiss man ja eigentlich von anfang an, wie der film ausgehen wird. spektakulär sind vor allem die diskussionen cortis mit den beiden schweizer grossbanken. dass vor allem marcel ospel nicht gut wegkommt ist allseits bekannt. aber auch lukas mühlemann wird im film nicht gerade als leuchte dargestellt. die einzelschicksale, die immer wieder als momentaufnahmen den bezug zum damals aktuellen stand bei der swissair schaffen, sind gelungen und nur selten in kitschige abdriftend.

oft wird kritisiert, dass corti zu gut wegkomme. ich denke, das hat durchaus methode, denn in praktisch allen filmen greift der regisseur eine person als identifikationsfigur heraus. das funktioniert mit corti natürlich ausgezeichnet. schliesslich wollte er die titanic noch retten, als sie den eisberg längst gerammt hatte. dieser beinahme verrückte wille, es doch noch zu schaffen, macht ihn für das publikum sympatisch und unterstützenswert.

ich finde es noch heute sehr schade, dass er es eben nicht geschafft hat.

der film ist sehr gut gemacht und auch sehr gut gespielt. zwei ausnahmen: andré dosé (michael neuenschwander) fand ich schwach gespielt, der schauspieler, der bundesrat kaspar villiger mimt gleicht diesem überhaupt nicht und luzerner dialekt spricht er auch nicht. ansonsten gibt’s nur eines zu sagen: ansehen und leiden!

walk the line

vielleicht hatten wir zu grosse erwartungen, vielleicht ist der film aber auch wirklich nicht sooo gut, wie alle kritiker meinen. johnny cashs leben war natürlich einiges länger als 136 minuten. um genau zu sein, es war 71,5 jahre lang. der film nimmt aber nur bezug, auf die spektakulärsten dieser über siebzig jahre.

joaquin phoenix mimt den ehrgeizigen countrysänger überzeugend, seine optische ähnlichkeit zu elvis ist aber eher hinderlich. dagegen wirken die gefühlsausbrüche des man in black wieder sehr real. der verlust seines bruders und der auch darin gründende zorn seines vaters begleiten ihn durch den im film gezeigten teil seines lebens.

irgendwie nervt es, dass er immer wieder amouröse angriffe auf die süsse june carter (reese witherspoon) unternimmt. dass diese ihn dann doch geheiratet hat, gibt dem eigenwilligen sänger recht.

der film hat auf jeden fall seine grossen momente, beispielsweise, als cash im folsom gefängnis vor versammeltem häftlingspublikum singt. oder auch der carter-songringof /fire./ erstaunlich auch, wie witherspoon und phoenix singen.

im grossen und ganzen hat mir der film aber weniger gut gefallen als der gut vergleichbare ray.
die grösste schwäche des filmes ist meines erachtens, dass viel zu wenig auf die texte der cash-songs eingegangen wird.

munich

steven spielberg zeigt, was nach der geiselnahme an den olympischen spielen 1972 mit den attentätern und den drahtziehern passierte. oder was passiert sein könnte. schliesslich ist das kein dokumentarfilm, sondern eine buchverfilmung.

der mossad bildet eine gruppe unbescholtener bürger, die alle 11 beteiligten palästinenser töten sollen. avner kaufmann (eric bana) ist der teamleader. als dieser einen informanten (louis – einen franzosen!) findet, der ihm die aufenthaltsorte der gesuchten personen nennen kann, folgt ein mordattentat auf das andere.

kurzsichtige werdenmunich vielleicht als agentenfilm missverstehen. aber wer den konflikt in israel nur ein wenig verfolgt, dem gehen in diesem film vielleicht ein paar lichter auf. ohne die eine seite besser darzustellen als die andere gelingt spielberg eine sensible annäherung an das emoitonal aufgeladene thema.