Neuer Aston Martin Vantage

Ja, bei Aston Martin können sie noch was anderes, als zum x-ten Mal die gleiche Form in etwas anderer Art zu präsentieren. Wir sehen den brandneuen Vantage, dessen Grill nun tiefer liegt, was ihm ein völlig neues «Gesicht» verleiht. Er wirkt leichter, agiler und irgendwie etwas sportlicher als sein in die Jahre gekommener Vorgänger. Dass unter der Haube ein 4.0-Liter Mercedes-Herz schlägt, geschenkt. Dass man aber den Bedienungsknubbel aus Deutschland übernommen hat, finde ich jetzt weniger toll. Und natürlich bleibt auch trotz 510 PS eine Frage offen…. passt ein V12 unter die Haube? 😉

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So serious

Den Song kannte ich aus dem Radio, doch als The Birthday Girls dann vor mir standen und das Ding performten, war ich dann doch etwas baff. Sowas gibt es in der Schweiz also auch. Das kleine HonkyTonkFestival in Sursee war ideal, um ein wenig lokales Zeug zu hören. Den Auftritt im stadtcafé und vor allem diesen Song werde ich so schnell nicht vergessen.

Climbkhana

Wer sich noch nicht an Ken Block’s Hoonicorn sattgesehen hat…. hier kommt die aufgeblasene Variante mit zwei fetten Turbos oben drauf. Am Pikes Peak, versteht sich. Enjoy.

AuFwieDersehen Demokratie – Gedanken nach dem Wahlerfolg der AfD

Das war mein Tweet gestern Abend. Mehr mochte ich nicht, konnte ich nicht dazu schreiben. Prompt wurde ich aufgrund meines mutmasslich mangelnden Demokratieveständnisses mit  Rückfragen konfrontiert. Völlig zurecht. Und doch mag ich mich nicht vom Tweet distanzieren. Aber ich werde versuchen, den Gedanken dahinter darzulegen.

  1. Jeder soll wählen, wen und was er will. Ich bin weiterhin für die Demokratie. Sie ist, wie schon so oft zitiert, die beste aller schlechten Regierungsformen.
  2. Man sollte aufhören, den Fehler zu machen, aus einem demokratischen gefällten Entscheid den Rückschluss zu ziehen, er sei dadurch automatisch richtig. Die Demokratie dient lediglich der Legitimation einer Entscheidung. Eine Demokratie kann also falsch entscheiden.
  3. Wer demokratiefeindliche Parteien wählt, sollte sich der Konsequenzen bewusst sein. Dass man gerade in Deutschland eine antidemokratische Partei wählt, die schamlos tief im braunen Spektrum politisiert, sollte zu denken geben.
  4. Die AfD wurde zu einem grossen Teil aus rassistischen Motiven und Frust gewählt. Wer auch nur knapp in der Realität lebt, sollte schnell begreifen, dass die AfD keine Probleme lösen will. Sie wird weiter Hass schüren, um an Macht zu gewinnen. Was haben die Wähler davon? Richtig: Nichts.
  5. Natürlich wurde die AfD vor allem dort gewählt, wo wenige Ausländer wohnen. Dieses Kuriosum kennen wir von Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz bereits bestens. Trotzdem sollte man dieser Tatsache stets das richtige Gewicht beimessen.
  6. Es heisst ja immer, man müsse die Ängste der Wähler ernstnehmen. Ich hoffe, man nimmt auch jene wahr, die Angst vor dem Aufkeimen einer Bewegung hat, die Deutschland und Europa in die Katastrophe geführt hat.

Ja, nur 1/8 der wählenden Bevölkerung hat sich von der Demokratie verabschiedet. Trotzdem sind die Zeichen eindeutig. Und weil die Zeichen eindeutig sind, werde ich auch weiterhin eine eindeutige Sprache verwenden.

Robbie Williams live im Letzigrund

Das letzte Mal war ich in Bern an einem Konzert von Robbie. Er war damals so zugedröhnt und traf die Töne derart schlecht, dass ich entschied, mir vorläufig keinen Liveauftritt mehr anzutun. 2017 war es dann also doch wieder so weit. Und… es sollte sich lohnen.

Robbie betrat die Bühne um 20:17, also erstaunlich früh. Dass er auch früh wieder gehen sollte, wusste man da noch nicht. Ab der ersten Sekunde hatte er das Publikum im Griff. So ist er halt. Doch im Unterschied zu meinem letzten Konzertbesuch traf er dieses Mal auch die Töne. Er huldigte seinem Idol George Michael mit dessen Freedom und seinem Vater mit Sweet Caroline, dass er zusammen mit ihm vortrug.

Ein wenig entsetzt war er, als die Dame, die er für das Duett Something stupid ausgewählt hatte, keine einzige Zeile irgendeines Robbie-Songs konnte. Doch ein grosser Teil des Publikums half ebenso, wie die Maske, die man der verwirrten Bühnenbesucherin aufsetzte.

Für mich ist Robbie irgendwie ein moderner Elvis. Einer, der immer auf der Rasierklinge zwischen Wahnsinn und Genie tänzelt und auch bewusst mit diesem Zustand kokettiert. Die Grossleindwand ist gnadenlos, zeigt das aufgedunsene Gesicht des Superstars in Übergrösse. Auch die feuchten und stets etwas traurigen Augen konnten mehr denn nur erahnt werden. Der Show tut das keinen Abbruch, die ist so durchgeplant, dass es mich unter normalen Umständen nerven würde. Doch weil eben noch die unplanbare Komponente namens Robbie Williams mitspielt, dürfte trotzdem jeder Auftritt ein wenig anders verlaufen. Neben zahlreichen Textmonitoren hat er zur Unterstützung drei starke Backgroundsängerinnen, die ihn mehr als einmal aus leicht missratenen Passagen heraus retten.

I love my Life heisst sein grosser aktueller Hit. Ob er das wirklich tut? Das weiss man nie so recht, auch wenn er von seinem Nachwuchs schwärmt. Man mag es hoffen, nur schon deshalb, weil uns dann noch viele grossartige Konzerte wie jenes vom Samstag 2. September in Zürich bevorstehen dürften. Dass es nach einer Stunde und 40 Minuten dann schon wieder zuende war, konnte man ob dieser genialen Show verschmerzen. Herrlich auch, wie nach Robbies Abgang der Dirty-Dancing-Klassiker Time of my Life die Massen zum Weitersingen animierte.

Party like it’s 1999

Danke an Jörg, der mir meine eigenen Bilder vom Konzert von Alanis Morissette aus dem Jahr 1999 geschickt hat. Damals hatte ich die Sony Mavica mit 3,5″-Laufwerk in die Halle «geschmuggelt», um ein paar Bilder zu machen. Klar sind sie übel, aber sooo übel, wie ich gedacht hätte dann auch wieder nicht.

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Konzertvideofilmidioten

Wer kennt sie nicht, diese Konzertvideofilmidioten, die bei jeder Gelegenheit anstelle ihrer blossen Hände ihr Smartphone im Hochformat nach oben strecken. Muss ja alles festgehalten sein für die Nachwelt. Dass die Nachwelt allerhöchstens aus einer desinteressierten Whatsapp-Chatgruppe besteht, muss ja niemand wissen. Dass man den Song nur schnipselhaft aufgezeichnet hat auch nicht. Trotzdem gestehe ich: Ja, ich bin auch einer dieser Typen mit dem Handy in der Luft. War ich «immer» schon.

Wer hier mitliest, hat bestimmt schon irendwann ein solches Video gesehen. Damals, als man noch gar keine Digitalkameras an die Konzerte bringen durfte (ja liebe Kinder, das war früher so), schmuggelte ich meine kleine Sony in meinen Socken ins Hallenstadion. Zunächst erlaubten die Digicams nur kurze Filme. Ich erinnere mich an welche, die nur 20 Sekunden dauern durften, dann war der Arbeitsspeicher wohl voll. Doch irgendwann lag eine Songlänge an Video drin. Und irgendwann kam noch die Möglichkeit dazu, die ganze Chose auf Youtube mit den anderen Fans zu teilen.

Sicher, die Tonqualität ist weit davon entfernt, über alle Zweifel erhaben zu sein. Doch sind es immer mal wieder ganz spezielle Songs, die ich im Laufe meiner Karriere als Konzertbesucher so angesammelt habe. Und es sind ziemlich viele. 149, um genau zu sein. Ich habe die teilweise über 10 Jahre alten Aufnahmen alle in eine Playlist gekippt. Wer also ein wenig in meiner Konzertvergangenheit schmöckern möchte: Go ahead.

Und sorry, wenn Ihr irgendwann mal an einem Konzert hinter mir stehen solltet. Inzwischen halte ich mich zwar etwas zurück… aber so ein, zwei Videos pro Konzert müssen schon sein. Dafür dürft Ihr sie dann ja hier ansehen und vor allem: anhören. Ok? 😉

Guns n› Roses

Ja, ich bin dann doch hingegangen. Herzlichen Dank an Dani!

Und es sollte sich so richtig lohnen. Denn auf der Bühne standen nicht Axl Rose und ein paar Musiker. Nein, das war praktisch die Urformation. Das Publikum, das sich durch lange Staus und teils mühsame Kontrollen kämpfen musste, wurde erstaunlich pünktlich für sein Warten belohnt. Wie angekündigt traten Guns n› Roses kurz nach 19:45 Uhr auf die Bühne. Die Band schaute ein bisschen wie die Karikatur von sich selbst aus. Doch was ist schon Optik, wenn man sich eine karierte Fleecejacke umknotet oder ein weisses No-Future-Shirt trägt? Eben.

In der Setlist fanden sich neben praktisch sämtliche Klassikern auch Covers wie Wish you were here, Whole lotta Rosie und Black Hole Sun. Letzteres als Ehrerweisung an den genialen Chris Cornell. Für mich ein Highlight des Konzerts, auch wenn Axl den Einsatz beim ersten Refrain versaut hat. Irgendwie fehlte natürlich das Neue, das Überraschende. Aber dann muss man sich auch fragen, ob man das überhaupt erwarten darf und vor allem: erwarten soll. Denn wie ich waren wohl die meisten der Fans gekommen, um ihre alten Helden ein (letztes?) Mal live zu erleben und die legendären Hymnen rauszuschreien. Das ging wunderbar. Dass Slash dazu noch geniale Solos ablieferte erfreute zusätzlich.

Gerüchten, die Jungs täten sich für ein neues Album zusammen, stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Irgendwie ist es gut so wie es ist. Von mir aus können sie noch 100 Mal die gleiche Setlist spielen, denn genau für diese Songs lieben wir sie. Wenn Axl weiterhin derart stabil singt, umso besser. Wenn sich Duff McKagan noch etwas mehr in den Vordergrund drängt, wäre das nicht schlimm, denn auch er machte seine Sache richtig gut. Und Slash – Slash ist einfach Slash.

 

NZZ
Tagi

Der Integrationsvertrag des Blick

Eigentlich eine tolle Idee, so ein Integrationsvertrag. Wer hier ist, soll sich an geltende Normen halten. Doch wir wollen uns gar nicht lange damit aufhalten, was das denn für Normen sein sollen. Gehen wir doch einfach Punkt für Punkt die Blick-Idee durch.

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Die Rechte
1. Das Schweizer Recht gilt in der Schweiz für alle – Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich.
Es sei denn, man ist ein superreicher Ausländer… dann ist man möglicherweise etwas gleicher.

2. Das Recht steht über der Religion – Der Glaube ist Privatsache. Die Entscheidung für eine Glaubensrichtung ist freiwillig. Niemand darf aus religiösen Gründen gezwungen werden, etwas zu tun oder zu unterlassen, das er oder sie nicht will.
Und weil Glaube Privatsache ist, zieht der Staat die Steuern für die grössten Kirchen des Landes ein. Und wie war das, als ich in Luzern letzte Woche um 0:45 noch ein Getränk in einer Bar hätte trinken wollen? Das ging nicht… weil am Karfreitag sämtliche Restaurants um 0:30 schliessen müssen.

3. Mann und Frau sind gleichberechtigt – Die Geschlechter haben in allen Belangen die gleichen Rechte und Pflichten. Frauen und Männer werden in der Öffentlichkeit, bei der Arbeit und zuhause mit gleichem Respekt behandelt.
Und darum bekommen Frauen bei uns überall für gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn. Nee, leider nicht. Und deshalb hat der Mann bei der Geburt eines Kindes mehrere Wochen Vaterschaftsurlaub. Nee, auch das nicht. Und deshalb leisten die Frauen (mindestens) einen Militärersatzdienst. Nein, das klappt auch nicht. Und im Blick wird die Garderobe oder die Frisur eines Politikers ebenso oft zum Thema, wie das bei einer Frau der Fall ist. Ähm…

4. Jede und jeder geniesst hohe persönliche Freiheit – Jeder darf nach den eigenen Vorstellungen leben, sofern keinem anderen dadurch ein Nachteil entsteht. Niemand wird wegen Herkunft, sexueller Orientierung, Hautfarbe, politischer Gesinnung oder Religion diskriminiert.
Der gute alte Kategorische Imperativ… klingt so logisch, funktioniert aber auch nicht. Dass das Geschlecht in der Aufzählung fehlt, ist wohl kein Zufall. Und wenn man die Aufschreie hört, wenn es jeweils darum geht, gleichgeschlechtliche Paare in der Werbung zu zeigen, funktioniert das noch nicht so recht, oder? Noch schlimmer wäre es natürlich, das Thema in der Schule zu bringen…

5. Alle dürfen über alles reden – Die Schweiz kennt kein Tabu in Worten und Gedanken. Jeder darf über alles mitreden.
Diesen Punkt würde ich am ehesten als realistisch erachten, auch wenn er in etwas holprigem Deutsch daherkommt.

Die Pflichten
1. Jeder beherrscht oder lernt eine Landessprache – Nur wer Deutsch, Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch in Wort und Schrift beherrscht, ist in der Lage, am täglichen Leben teilzunehmen.
Einverstanden. Darum müssen sämtliche Mitarbeiter von Banken, Pharmakonzernen und anderen international tätigen Firmen bis Ende Jahr das Land verlassen, wenn sie nur Englisch sprechen. Und mal ehrlich: Sollen wir mal einen Sprachtest mit den 50-jährigen SchweizerInnen durchführen? Es wäre spannend zu sehen, wer denn die geschriebene Sprache tatsächlich «beherrscht».

2. Jedes Kind besucht die Schule – und respektiert die Regeln – Die Teilnahme am Unterricht verhilft allen Kindern zu einem guten Start in Gesellschaft und Arbeitswelt. Schulprogramm und Schuldordnung sind für alle verbindlich. Lehrpersonen geniessen besonderen Respekt.
Damit bin ich tatsächlich weitestgehend einverstanden.

3. Jeder nimmt am Schweizer Alltag teil – Wie, wo und auf welche Weise man sein tägliches Leben gestaltet bleibt jedem selbst überlassen. Die Schweiz toleriert jedoch keine Absonderung in Gruppen, die geltendes Recht missachten, beugen oder verhöhnen.
Darum haben wir unsere Autos alle auf maximal 120 km/h plombiert, alles andere wäre eine Verhöhung des geltenden Rechtes. Come on, dieser Punkt wäre an Lächerlichkeit nur noch durch das Einfügen von Majestätsbeleidigung zu toppen gewesen.

4. Jeder verteidigt die Freiheit – Die Freiheit des Individuums ist ein ebenso hohes Gut wie die Freiheit des Landes – beide sind nur dann gesichert, wenn sich jeder Einzelne für sie einsetzt.
So langsam werdet ihr pathetisch, oder? Aber zum Thema: Ich kann mich noch erinnern, wie wir alle zusammenstanden, als es darum ging die Freiheit einer gewissen religiösen Gruppe zu verteidigen. Darum darf sie auch heute noch überall Türmchen bauen. Oder wie war das damals? Und ich hofffe stark, dass ihr euch auch in Zukunft für die Freiheit des Individuums einsetzen werdet, wenn es um Privatsphäre geht.

5. Jeder sorgt für sich selbst – Alle erwachsenen Bürger der Schweiz sorgen selber für ihre Existenz. Der Staat betreibt soziale Einrichtungen für die, denen das ohne Hilfe nicht gelingt.
Und morgen streichen wir sämtliche Direktzahlungen an den landwirschaftlichen Sektor. Die sollen sich mal ein bisschen Mühe geben! Oder ist das was anderes?

Die Normen
1. Man zeigt sein Gesicht
Ehrlich gesagt habe ich bis heute in der Schweiz noch keine Person kennengelernt, die mir ihr Gesicht nicht gezeigt hätte. Dieser Punkt ist überflüssig.

2. Man reicht einander bei der Begrüssung und zum Abschied die Hand
Ich kenne selber Leute, die das nicht gerne mögen (nicht aus religiösen Gründen)… soll man die nun dazu zwingen, weil es bei uns die Gewohnheit verlangt? Und wenn ja, greift man damit nicht in die persönliche Freiheit ein?

3. Man behandelt Amtspersonen, ob Mann oder Frau, korrekt und mit Respekt.
Das Wort Amtsperson ist bereits neutral, eine zusätzliche Betonung der Geschlechtsneutralität deshalb unnötig. Grundsätzlich ist der Punkt aber in Ordnung.

4. Man hält Ordnung, Ehrlichkeit und Anstand hoch.
Auch das geht in Ordnung. Wenn ich aber an die Steuererklärung denke, dürfte so manch einer den Punkt «Ehrlichkeit» grosszügig auslegen…

5. Man trägt Konflikte aus anderen Ländern und Kulturen nicht in die Schweiz.
Und darum hat der Blick eine mehrtägige intensive Auseinandersetzung mit der Türkei gehabt? Hat man damit den Konflikt nicht noch zusätzlich befeuert?

So, das wär’s. Ich verstehe nicht ganz, was der Blick mit diesem Vertrag erreichen will. Biedert er sich einfach zur Abwechslung mal wieder rechts aussen an? Und dann natürlich noch das Genderthema: Wenn man sich schon so für die Gleichstellung der Geschlechter stark machen will, sollte man vielleicht auf das generische Maskulinum verzichten. Am Ende habe ich einfach den Eindruck, dass praktisch kein einziger Schweizer diesen Vertrag unterschreiben könnte, ohne dass er zugeben müsste, den einen oder anderen Punkt schon verletzt zu haben. Wie nennen wir das? Zuerst vor dem eigenen Rütli wischen, oder so.

 

I want to believe – oder eben nicht

Der Spruch ist kein Zufall: In den 1990ern war ich wie Viele meines Alters ein Fan der X-Files. Scully und Mulder sind für mich Legenden, die beiden Schauspieler sowieso. (Toll in Californication und Hannibal) Aber das sollte ja nur der Einstieg werden. Den wer die Serie kennt, kennt auch das Poster, das bei Fox Mulder an der Bürowand hing. I want to believe stand da drauf. Und mir ging es damals ja selbst ein bisschen so. Ich wollte die abstrusesten Dinge glauben, die einem da aufgetischt wurden. Im Abspann stand ja auch immer, die Erfolgsserie sei von wahren Ereignissen inspiriert. So ist es auch mit den Verschwörungstheorien, die uns tagtäglich um die Ohren gehauen werden. Das wäre nicht schlimm, würden wir filtern und darüber grinsen. Cool, was da wieder jemandem eingefallen ist. Ja, darüber könnte man einen tollen Film machen. Vielleicht eine (abermalige) Fortsetzung der X-Files zum Beispiel. Aber das Zeug für bare Münze nehmen? No thanks.

Es passiert mir momentan täglich, dass irgendjemand findet, «den Medien» könne man ja sowieso nicht glauben. Da hakt es bei mir natürlich nur schon beim Begriff «die Medien» ziemlich mächtig. Die Medienlandschaft der Schweiz ist nun wirklich nicht mehr die heterogenste. In Luzern führte die Entwicklung die letzten 30 Jahre über von 3 Tageszeitung zu einer, die irgendwie auch keine mehr ist. Trotzdem gibt es verschiedene Verlagshäuser, die sich gerne die Primeurs vor der Nase wegschnappen. Die AZ-Gruppe, Tamedia, die NZZ-Gruppe und Ringier beherrschen den Markt bei jenen Zeitungen, die noch nicht gratis aufliegen. Dann gibt es noch politisch gefärbte Bezahlzeitungen und -magazine wie die Weltwoche, die BaZ oder auch die WOZ. Alles in allem ein doch recht bunter Kanon, oder? Dazu kommt natürlich die Berichterstattung des dominanten Marktteilnehmers im TV- und Radio-Bereich: SRF. Dazu kämen noch die Agenturen, die den genannten Meldungen zur Verfügung stellen.

Nun meine Fragen zum Thema:

Inwiefern hätte diese deutschschweizer Gruppe aus wichtigen Medienhäusern nun ein Interesse, hinter dicken Stahltüren eine Strategie auszuhecken, um uns mit den genau gleichen News sozusagen fernzusteuern?

Angenommen, es gäbe die immer wieder implizierten Absprachen tatsächlich, in welche Richtung würden sie gehen?

Und vielleicht der zentrale Punkt: Wer würde das ganze steuern?

Zu guter Letzt hätte ich dann gerne auch noch ein paar Beweise für die offenbar als gross angelegte Verschwörung agierende Medienlandschaft. (Ja, das war keine Frage, sondern eine Hausaufgabe, I know)

Meine drei kurzen Thesen:

Die Welt ist nicht bloss schwarz und weiss, aber wir hätten gerne, dass sie es wäre. Einfache Erklärungen sind uns lieb. Sie sind das Erfolgsgeheimnis von Populisten… und «alternativen Medien».

Während von den «Zweiflern» sehr hohe Ansprüche gestellt werden, wenn es um Seriosität und Recherchearbeit von Mainstreammedien geht, glaubt man den «kritischen Medien» nur schon deshalb, weil sie etwas Abweichendes schreiben.

Es ist irgendwie auch ein bisschen cool, die «geheime Wahrheit» über 9/11 zu wissen.

Grundsätzlich bin ich für einen kritischen Umgang mit Informationen. Einfaches Glauben hat die Menschheit noch nie weiter gebracht. Dass man nun aber primär einfach jenen Glauben schenken will, die etwas Anderes als die Mehrheit der Medien berichten, halte ich für eine ziemlich dämliche Strategie. Ich würde behaupten, dass diese «alternativen Medien» weit intransparenter und abhängiger von Geldgebern agieren, als die oben genannten.

Die Welt ist nicht so einfach zu erklären. Und in Zeiten einer weiter fortschreitenden Interdependenz wird sich das auch nicht ändern. Ein Mensch, der offenbar in der Welt einfacher «Tatsachen» lebt, ist der aktuelle US-Präsident. Ein besonders schönes Beispiel waren die geplanten Strafzölle für ausländische Autobauer. Die Deutschen sollen mal lieber in den USA Fabriken bauen, meinte er. BMW konterte mit etwas, was ihm jeweils abgeht: Mit Fakten. Die Bayern sind offenbar der grösste Autoexporteur der USA.

Vielleicht verhält es sich mit den geäusserten Verschwörungstheorien ein bisschen wie mit der Partizipation in einer Demokratie. Ich höre nicht selten, dass die da in Bern oben ja sowieso machen würden, was sie wollten. Dies obwohl wir ein System haben, das eine sehr starke Mitbestimmung am politischen Prozess erlaubt. Kommt dazu, dass wir «die in Bern oben» ja auch noch wählen. Trotzdem fühlen sich viele SchweizerInnen ohnmächtig, was die Mitbestimmung anbelangt. Umgemünzt auf Informationen und Presse würde ich sagen, dass man gerade in einer Welt, in der man fast alles live miterleben kann, was sich so tut, immer weniger das Gefühl erhält, tatsächlich informiert zu sein. Und da liegt es natürlich nahe, nicht dem eigenen beschränkten geistigen Vermögen, sondern einer gezielten Verschwörung die Schuld zu geben. So nach dem Motto: Ich möchte mich ja informieren, werde hier aber nur mit strategisch vorgefertigten Artikeln abgefertigt, mit denen man mich gefügig machen will. (Und ja, ich weiss, wie abstrus das klingt. Es handelt sich um einen Erklärungsversuch)

Ich weiss noch, wie wir Ende der 1990er-Jahre gedacht haben, die Informationslage werde nun für alle besser. Am Anfang wurde sie das vielleicht sogar. Inzwischen ist zwar der Zugang zu Information tatsächlich für sehr viele Menschen einfach geworden. Schwieriger ist nur das, was gerade bei heiklen Informationen sehr weit oben auf der Prioritätenliste stehen sollte: Die Überprüfung der Quellen. Wem können wir glauben, wem nicht? Weshalb sagt jemand das, was er sagt und wieso deckt sich das nicht mit dem, was jemand anderes sagt? Nein, einfacher ist der Umgang mit Information definitiv nicht geworden. Aber wir sollten der Versuchung widerstehen, die Mainstreammedien als ferngesteuert zu betrachten. Weiter sollten wir gerade bei «alternativen Medien» kritisch sein, wenn diese Informationen anderer Medien als unwahr darstellen; besonders natürlich dann, wenn keine offenkundigen Beweise dargelegt werden. Und wir sollten immer dann vorsichtig sein, wenn uns jemand eine einfache Wahrheit erklären will. Meistens ist diese dann weder wahr noch einfach.