Coronahype (updated)

In Anbetracht des enormen Hypes um das «Coronavirus» haue ich mal wieder in die Tasten.

Es wäre einfach, «die Medien» für den aktuellen Hype zu blamen. Klar, der Blick hat grosse, manchmal sogar rote Buchstaben und würzt mit Ausrufezeichen nach. Aber das ist nun mal einfach die Sprache des Boulevards. In den «seriöseren» Zeitungen steht im Prinzip genau die gleiche Message, nur halt in kleinerer Schriftgrösse und möglicherweise mit weniger Adjektiven. Das ist jedoch auch bei jedem Fussballspiel oder jeder entscheidenden Handlung Donald Trumps so. Also: Calm down. Und nein, die Medien sind nicht schuld.

Aber wer dann? Wenn ich das Verhalten gewisser Mitmenschen so anschaue, lande ich schnell bei der Bildung. Uns hat man vor etwas mehr als 10 Jahren ganz ohne Instruktion ein paar neue Tools in die Hände gegeben. Social Media, häufig also Soziale Medien übersetzt, hat wirklich viele Vorteile. Gerade in Zeiten von COVID-19 zeigen sich aber auch die Nachteile. Es ist sehr einfach, verschwörerische Gedanken zu verbreiten und eher nicht so einfach, Fakten zu überprüfen. Klar, es gibt Seiten wie Correktiv, Snopes oder andere, die sich um Einordnung bemühen. Wie gerne wir trotzdem auf Fakes reinfallen, zeigt die Anzahl meiner Facebookfreunde, die immer noch glauben, sie könnten ein Wohnmobil/Ford Mustang/whatever gewinnen, wenn sie unter einem bestimmten Post einen Kommentar absetzen. Manchmal könnte man fast meinen, dass wir gerne verarscht werden.

Also, das Verstehen und Einordnen von Botschaften muss verstärkt gelehrt und gelernt werden. Der Umgang mit Social Media muss ebenso gelernt werden, auch wenn in diesem Bereich viel «learning by doing» ist, weil sich die Kanäle nicht nur laufend Anpassungen im Detail erfahren, sondern weil auch immer mal wieder völlig neue Dienste relativ schnell ein grosses Publikum erreichen. So weit, so Common Sense. Was noch?

Statistik. Ja, Statistik. Und ja, ich weiss, vertraue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast. Haha. Darum geht es nicht. Sondern darum, Kennzahlen zu verstehen und einordnen zu können. Natürlich ist Angst nie rational. Und doch bin ich der Überzeugung, viele Menschen, die sich nun enorm sorgen, könnte man mit ein bisschen Hintergrundinformation einen Teil ihrer Angst nehmen. Aber Begriffe wie Inkubationszeit, Mortalität oder auch Worst Case Scenario muss man zuerst einmal verstehen.

Gerade die Inkubationszeit scheint mir im Fall vom COVID-19 ein grosses Problem zu sein. Sie wird aktuell mit durschnittlich 7 Tagen angegeben, wobei es auch noch länger dauern kann.

Der Erreger kann auch während der Inkubationszeit von Mensch zu Mensch übertragen werden. Infizierte sind demnach schon während der oft zehntägigen Inkubationszeit ansteckend, ohne dass sie Symptome zeigen. Dies trägt maßgeblich zu einer schnellen Verbreitung des Virus bei und macht die Eindämmung problematisch.

Tropeninstitut.de

Zur Mortalität gibt es momentan noch recht unterschiedliche Angaben. Sie ist am Ursprung in der chinesischen Provinz Hubei relativ hoch (ca. 3 – 4%). Dazu sollte man wissen, dass die Mortalität bei einer üblichen Grippewelle bei ca. 0,1% liegt. Es schaut momentan so aus, als liege sie bei COVID-19 ausserhalb des Ursprungsgebietes bei 0,20,7%.

Was Epidemienforscher Christian Althaus zu einem Worst Case Szenario gesagt hat, halte ich für sehr unglücklich.

NZZ: Es könnte also drei Millionen Infizierte in der Schweiz geben. Bei einer Sterblichkeit von einem Prozent sprechen wir von 30 000 Toten.
Althaus: Ja. Ein solches Worst-Case-Szenario ist nicht ausgeschlossen.

NZZ.ch

Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, aber es handelt sich eben um den worst case, den allerschlechtesten Fall. Das hätte er betonen müssen. Denn die Bevölkerung ist derart sensibiliert, dass heute solche Details entscheiden können, ob bei leshop.ch und coopathome.ch die virtuellen Regale an Grundnahrungsmitteln und Schutzmasken leerbestellt werden. Auf der anderen Seite gibt es auch Ärzte wie Josef Widler, die begreifen, dass es sinnvoll sein könnte, Ruhe zu bewahren.

Video auf watson.ch anschauen

Die Absagen von Grossveranstaltungen wie dem Engadiner Skimarathon oder dem Carnevale in Venedig können sinnvoll sein, weil grosse Ansammlungen von Menschen auch ein entsprechend erhöhtes Risiko von Ansteckungen zur Folge haben. Doch ist unsere Welt inzwischen viel zu vernetzt, dass man mit Grenzschliessungen oder ähnlichen Massnahmen eine Verbreitung des Virus› verhindern könnte.

Was kann man selbst tun, um sich zu schützen? Eigentlich nicht so viel. In die Armbeuge niesen oder husten wird von allen Experten empfohlen, ebenso wie das regelmässige Händewaschen. Dass man nicht in Gebiete gehen sollte, die bereits für eine starke Verbreitung des Virus› bekannt sind, liegt auf der Hand. Auf der Website des BAG gibt es dazu nähere Informationen dazu.

Was soll man nicht unbedingt tun? Nun, der damalige Armeechef Blattmann meinte zwar 2014 noch, man wisse nie und würde am besten gleich hunderte Liter Trinkwasser und andere Notvorräte lagern. Ich halte das nicht nur für praxisfremd, sondern auch für unnötig. Ebenso unnötig, ja kontraproduktiv ist das Befeuern von irgendwelchen Verschwörungstheorien à la » das sind die Amerikaner, denen ist der Erfolg der Chinesen schon lange ein Dorn im Auge». Das hat vielleicht bei Ganser Platz, es ist aber nur schon aufgrund der enormen Interdependenz einfach dermassen realitätsfremd, das höchstens die so geschürten Ängste politisch nutzbar sind.

Womit wir wieder am Anfang wären: Social Media und die dortigen Inhalte auch in solchen Zeiten sinnvoll nutzen und einordnen, Statistiken anschauen und zu verstehen versuchen und nicht zuletzt einen kühlen Kopf bewahren.


Tja, ich war genau einen Tag zu früh. Darum kurz ein Update: Inzwischen hat der Bundesrat eine Regelung aktiviert, nach welcher Anlässe mit mehr als 1000 Teilnehmenden verboten sind. Somit sind Veranstaltungen wie die Basler Fasnacht oder der Autosalon in Genf (GIMS) automatisch abgesagt. Ich halte diese Massnahme nicht nur für übertrieben, sondern auch unnötig eskalierend was die Stimmung in der Bevölkerung betrifft.


Es ist wohl Zeit für ein weiteres Update. Je mehr ich darüber lese, desto mehr gelange ich zum Schluss: Doch, das Verhalten des BAG war richtig. Vielleicht hätte man sogar noch krasser reagieren müssen. Grundsätzlich zeigt sich in praktisch allen Ländern, die früh eine relativ hohe Fallzahl hatten eine exponentielle Zunahme der Fälle. Das Beispiel Italien zeigt, wie schnell dann ein totaler Lockdown das Einzige ist, was man noch gegen eine weitere Verbreitung tun kann.

«Flatten the Curve» ist wohl alles, was wir momentan tun können. Auf Deutsch: Die Kurve plätten. Es geht darum, den extremen Anstieg der Fälle zu verhindern, damit unser Gesundheitssystem die Neuansteckungen versorgen kann. Was passiert, wenn man das nicht schafft, berichtet der italienische Arzt Daniele Macchini aus dem Spital in Bergamo:

Die Zahl der Fälle multipliziert sich. Aktuell liefern sich 15 – 20 Personen täglich selbst ein. Die Resultate der Tests sind alle gleich: positiv, positiv, positiv. Plötzlich bricht die Intensivstation zusammen.

Ausschnitt. Aus dem Englischen übersetz. Quelle: Independent.co.uk

Diese Situation soll verhindert werden. Und genau darum sollte man die Anweisungen des BAG durchaus ernstnehmen. Panikkäufe von Nudeln, Mehl und anderen Grundnahrungsmitteln sind noch immer unangebracht. Ein ruhiges, überlegtes Verhalten ist weiterhin angesagt. Dazu gehört auch, die Verschwörungstheorien weiterhin auszublenden.

Immer wieder Greta (oder doch «Klimahysterie»?)

Wieder so ein Beitrag, der schon seit Monaten in mir schlummert. Ich werde mal versuchen, einigermassen strukturiert zu bleiben.

Der Greta-Effekt
Wir zäumen das Pferd mal von der verkehrten Seite auf und beginnen quasi am Ende. Was hat Greta gebracht? War alles nur Show und hat dem Issue Klimawandel gar nichts gebracht? Ich kann es kurz machen, nein, war es nicht. Die folgende Grafik zeigt, wie sich das Interesse am Thema seit Gretas Aktivität verändert hat:

Google-Suchen-Klimawandel

Der Ausschlag am weltweiten Klimastreiktag ist gemäss diesen Daten deutlich höher als an der doch nicht ganz unwichtigen Klimakonferenz von Paris. Sie hat das Thema also in den Vordergrund gebracht. Und vielleicht hat sie auch all den Desillusionierten ein wenig gezeigt, doch, auch als einzelne, sehr junge Person kann man Dinge bewegen. Wie nachhaltig der Effekt sein wird, wird sich zeigen.

Die Klimahysterie
Von den Gegnern Gretas wird nun gerne von einer Klimahysterie gesprochen. Besonders «schlaue» Köpfe haben sogar schon Baseballcaps mit diesem Schlagwort anfertigen lassen. Es mag auf diese Menschen tatsächlich wie eine Hysterie wirken, weil sie sich dem Thema über Jahrzehnte verschlossen haben. Die Tatsachen sehen ein wenig anders aus. Hier ein Ausschnitt aus der Einführung in die Erklärung von Rio 1992:

UNCED made it plain that we can no longer think of environment and economic and socialdevelopment as isolated fields. In addition to major international treaties and agreements concludedat the Earth Summit on issues of global climate change, biological diversity, deforestation, anddesertification, the Declaration of Rio contains fundamental principles on which nations can base theirfuture decisions and policies, considering the environmental implications of socio-economicdevelopment.

Schon vor 27 Jahren herrschte da also ein Konsens darüber, dass etwas getan werden muss. Die über 350 Seiten lange Agenda 21 (Punkt 9) gibt konkrete Handlungsanweisungen, wie unter anderem gegen den Klimawandel vorgegangen werden soll. Von einer Hysterie, Panikmache oder von einem Trend kann also nicht gesprochen werden. Der Vorteil an diesen Schlagworten ist, dass man sofort erkennt, wer gar nicht über die Sache diskutieren will.

Das Klima und das Wetter
Ja, wir erleben gerade einen relativ kühlen Mai 2019. Und ja, manchmal schneit es sogar im späten Frühling. Solche Phänomene nennt man Wetter. Ein paar kühle Tage im Sommer oder eben eine warme Phase im Winter haben nichts mit einem Nichtstattfinden des Klimawandels zu tun, sondern sind alltägliche Abweichungen des Wetters.

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Die Grafik (von Wikipedia) zeigt die Veränderung der Temperatur seit 1850. Der Temperaturanstieg ist ebenso deutlich sichtbar wie jener der CO2-Emissionen.

Richtig, Temperaturschwankungen hat es ebenfalls schon immer gegeben. Aber: Nicht solche enormen Ausschläge in so kurzer Zeit. Es ist zudem davon auszugehen, dass sich Wetterphänomene wie tropische Stürme (Hurricanes bzw. Zyklone) aufgrund des Klimawandels häufen.

Das Klima und die Austern
Nun könnte man natürlich sagen: «Cool, ich mag warmes Wetter, Flip-Flops an den Füssen und das Faulenzen in der Hängematte im Schatten der Palmen». Der Mensch wird tatsächlich kaum grössere Probleme mit dem generellen Temperaturanstieg haben, die Natur aber sehr wohl. Es gibt viele Beispiele (schmelzende Gletscher, schwindender Permafrost, schmelzende Eisberge), die wir bestens kennen. Ein sprichwörtliches Luxusproblem bahnt sich aber ebenfalls an: Ist das Meer zu warm, gedeihen Krankheitserreger besser, welche die Meeresdelikatesse schlechthin hinwegrafft. Austern sind durch den Klimawandel bedroht. Wer’s lieber kuschlig statt schleimig mag: Auch die Koalas sind durch den Klimawandel bedroht. Die Liste liesse sich fortsetzen, doch geht es vielmehr um das grosse Ganze. Wie eingangs dieses Abschnitts gesagt: Während der Mensch gute Möglichkeiten hat, sich anzupassen, brauchen Flora und Fauna unter Umständen länger oder schaffen es gar nicht.

Aber, was ist mit den anderen Theorien?
Es gibt praktisch zu jeder von Experten vertretenen Theorie eine Gegentheorie, die wiederum von andere Experten gestützt wird. So ist das auch beim Klimawandel. Gerade jene Wissenschaftler, die abweichende Theorien stützen, werden gerne zitiert. Nun ist es aber so, dass (laut NASA) 97% der Wissenschaftler in diesem Bereich den Klimawandel als nicht nur vorhanden, sondern auch menschengemacht verstehen. Theoretisch könnten auch die 3% der Wissenschaftler im Recht sein, die Wahrscheinlichkeit dürfte aber relativ klein sein. Und genau weil mit an Sicherheit sehr nahe grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden muss, dass der Klimawandel menschengemacht ist, sollten wir nun endlich Lösungen suchen. Das haben auch die Wählenden in Europa verstanden:

Europawahl 2019
Eine Steigerung des Anteils der Grünen durch die gerade erfolgte Europawahl 2019 um immerhin etwas mehr als 2 Prozentpunkte stimmt zuversichtlich.

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Während die Populisten weiter von «Klimahysterie» schreien werden, kann man als halbwegs neutraler Beobachter durchaus zur Ansicht gelangen, dass die Wählenden die Zeichen der Zeit erkannt haben. Die italienische Zeitung Repubblica spricht von einem Greta-Effekt.

Und was hat nun Greta damit zu tun?
Sie ist – gewollt oder nicht – zur Gallionsfigur einer Bewegung geworden, die nicht nur begriffen hat, dass der Klimawandel ein dringliches Problem ist, sondern die auch entsprechende Lösungen fordert. Wenn diese (noch nicht wahlberechtigte) Generation dafür ein paar Schulstunden geschwänzt hat: So fucking what. Schauen wir heute auf Martin Luther Kings legendäre Rede in Washington zurück und reden darüber, wer dafür die Schulstunden verpasste?

Tatsächlich hat es in der Schweiz Fälle gegeben, in denen Lehrer die SchülerInnen quasi zur Teilnahme an solchen Events «gezwungen» haben sollen. Wenn dies stimmt, wäre es natürlich nicht nur falsch, sondern auch schädlich für die Glaubwürdigkeit der Bewegung. Gleichzeitig weiss jeder, der für seine Ideale einstehen will, dass es mit der Konsequenz nicht immer so einfach ist. Wer das Gegenteil behauptet, werfe den ersten Stein. 😉

Im Kern zeigt sich aber, dass eine Bewegung wie jene für den Kampf gegen den Klimawandel viel schlagkräftiger wird, sobald sie ein Gesicht hat. Genau das ist mit Greta nämlich passiert. Klar wird sie als Person angreifbar, als grosser Vorteil bleibt aber die Möglichkeit der Identifikation. Wie gut die Dame aus Schweden dafür geeignet ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich ist aber zentral, dass es eine Identifikationsfigur gibt. Es ist nicht wichtig, dass genau sie es ist, sondern das wofür sie steht und dass sich tatsächlich etwas ändert. Auch die Kantonalwahlen in der Schweiz geben diesbezüglich Grund für einen gewissen Optimismus. Wichtig ist vor allem, dass der grüne Gedanke nicht den Linksparteien überlassen wird, sondern dass auch in der Mitte angesiedelte wie die GLP von diesem Schwung profitieren können. Ob die leicht anbiedernd wirkende Kehrtwende der FDP wirklich ernst genommen werden kann, wird sich derweil zeigen. Sicher ist, dass momentan auch deren Mitglieder den Klimawandel als zentrales Thema verstanden haben.

Was soll man da noch sagen? Vielleicht: Danke, Greta.

Schwulsein 2019

Nein, das wird nicht mein Coming-Out. 😉 Und eigentlich habe ich das Gefühl, das Thema sei längst durch. Aber dann gibt es diese Momente, in denen ich mich tief ins letzte Jahrtausend zurückversetzt fühle. Welche Momente? Drei Beispiele:

  1. Die sogenannte Heiratsstrafe sollte per Abstimmung abgeschafft werden. So weit, so logisch. Nur hatte die CVP damals einen Passus in den Gesetzestext geschmuggelt, der die Ehe strikt zwischen Mann und Frau definierte. Darum verlor man die damalige Abstimmung. Nun wird sie eventuell wiederholt, weil die Informationen im Abstimmungsbüchlein nicht korrekt waren. Würde sie in dieser Form dann angenommen, wäre der Weg für die längst fällige Ehe für alle blockiert.
  2. Der Rahmen der Antirassismusstrafnorm soll weiter gefasst werden und künftig auch sämtliche sexuelle Orientierungen schützen. Generell kann man gegen dieses Gesetz sein, weil es die Meinungsäusserungsfreiheit einschränkt. In der Diskussion um die Erweiterung fällt aber auf, dass praktisch nur jene Parteien und Exponenten dagegen sind, denen Homosexuelle ein Dorn im Auge sind.
  3. Im Rahmen eines Promi-TV-Formats hat Sven Epiney «um die Hand seines Partners angehalten». (Anführungs- und Schlusszeichen, weil in der Schweiz eine Heirat aktuell nicht möglich ist) Der Hass dem das schwule Paar sich danach auf Social Media ausgesetzt sah, war laut Boulevardblatt Blick enorm.
  4. Ja, ich weiss, drei habe ich gesagt… Der Sultan von Brunei, der Schwule sogar steinigen lassen will, sei hier auch erwähnt. Es ist ziemlich offensichtlich, dass so etwas Wahnsinn ist.

How hard can it be? Können wir uns nicht auf wesentliche Probleme – wie zum Beispiel den Klimawandel – konzentrieren und die Menschen lieben lassen, wen sie eben lieben? Irgendwie ist es mir fast ein wenig peinlich, 2019 noch einen Beitrag darüber schreiben zu «müssen».

Solange es (mindestens via Social-Media-Kommentare) einen Skandal auslöst, wenn ein Schwuler seinem Partner einen Antrag macht, so lange haben wir noch viel Arbeit vor uns. Und offenbar braucht es solche eigentlich ziemlich doofen Events, die uns als Gesellschaft nicht nur immer wieder zeigen, dass es Homosexualität gibt, sondern auch, dass sie völlig «normal» ist. Schwule Lehrer «machen» ebensowenig schwule Schüler, wie das Hören von George Michaels Faith schwul macht. Machen wir uns locker, akzeptieren die Vielfalt nicht nur, sondern geniessen sie. Bei letzterem sind vielleicht auch die Homosexuellen selbst angehalten, etwas offener zu werden. Nur wenn sie auch sichtbar sind, können sie jemals den angestrebten Status jener Belanglosigkeit erlangen, die jedes Heteropaar längst kennt. Zwei Männer schlendern händchenhaltend der Seepromenade entlang? So fucking what.

Schon beim Schreiben dieses Textes fällt mir auf, wie wenig Verständnis ich für die negativen Einstellungen gegenüber Homosexuellen habe. Mir ist es komplett egal, welche Frau mit welchem Mann ins Bett geht, warum sollte es mich dann stören, wenn es Frau und Frau oder Mann und Mann miteinander tun? Aus Erfahrung weiss ich, dass lesbische Frauen generell mit weniger Gegenwind zu kämpfen haben als schwule Männer. Und das wiederum liegt vor allem an uns Männern. Nicht selten habe ich den Satz gehört «Schwule sind mir doch total egal, aber die sollen mich einfach nicht anmachen». Lange habe ich nicht gecheckt, warum das so ein Problem sein sollte. Irgendwann stellte ich für mich dann aber die These auf, dass es von einer Spiegelung des jeweils eigenen Flirtverhaltens herkommen musste. Ja, wer selbst superflach flirtet und im Club seine Hände nicht bei sich behalten kann, der hat vielleicht etwas mehr «Angst» vor flirtenden Schwulen. Aber wessen Problem wäre das denn, wenn diese These zutrifft? Eben.

 

PEACE

Der Ex-Eishockeygoalie und die SVP-Propaganda

So langsam wird es zur Gewohnheit, dass ich über jede SVP-Abstimmung etwas schreiben «muss». Dieses Mal wollte ich es bleiben lassen. Ehrlich. Aber dann ist mir etwas passiert, das mir auf sehr bildhafte Weise gezeigt hat, wie sich die SVP-Propaganda gewandelt hat.

Früher (und vielleicht bei anderen Abstimmungen dann auch wieder) waren es stark überzeichnete Karikaturen, die selbst Kleinkindern klar gemacht hatten, dass die Schweiz in grosser Gefahr sei und man deshalb eben das gewünschte Wörtchen auf den Abstimmungszettel schreiben müsse. So weit, so durchschaubar. Oft haben wir über Motive (schwarze Hände, schwarze Schafe, etc.) diskutiert und ihre absichltich diskriminierende Darstellung kritisiert. Nun ist alles anders. Rot, Schwarz und Weiss wurden durch ein neutrales Orange abgelöst, das eher zu einer biederen CVP-Gemeinderatswahl von Toni Huber passen würde. Und genau das ist natürlich der Trick: Mit gefälliger, sympathischer und vermeintlich positiver Darstellung wird die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative (SBI) zur Annahme empfohlen.

Obwohl ich eigentlich immer wieder andere Erfahrungen gemacht habe, dachte ich mir, dass diese Taktik nicht aufgehen würde. Die mündigen Menschen in diesem Land würden doch sofort durchschauen, dass sie hier an der Nase herumgeführt würden. Aber mitnichten. Letzte Woche bin ich auf Facebook dann in eine Diskussion geraten, nachdem ich auf der Timeline eines ehemaligen Eishockeygoalies einen von ihm geteilten Beitrag kommentiert hatte. Es war die flammende Rede von Roger Köppel für die SBI.

https://youtu.be/Ohomgn2J0mk

Disclaimer: Es war nicht dieses Video. Leider finde ich es nicht mehr. Die Stossrichtung hier ist aber die gleiche.

Ich habe leider nur noch einen Teil der Kommentare als Screenshots:

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Die Antwort des Ex-Eishockeygoalies: Das macht mir Angst.

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Ich habe dann höflich (echt jetzt) nachgefragt, vor was genau man dann eine solche Angst habe. Ich wurde in der Folge vom Ex-Eishockeygoalie mit Vorwürfen eingedeckt:

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Meine Antwort darauf war (aus der Erinnerung): Ich traue der Schweiz zu, dass sie sowohl mit einer Annahme als auch mit einer Ablehnung der Initiative umgehen kann. Aber ich bin es nicht, der hier Angst verbreitet. Ich habe dann nochmals konkret nachgefragt, was genau bei einer Ablehnung wahnsinnig Schlimmes passieren würde. Eine Antwort darauf erhielt ich nie. Dafür das:

Screenshot at Nov 05 09-34-26

Ich wurde von ihm dann unfriended und offenbar auch geblockt. Es enttäuscht mich immer wieder, wenn jemand sich zuerst aus dem Fenster lehnt (hier im Falle des geteilten Videos) und dann aber nicht ansatzweise seine Einstellung begründen mag, sondern nur mit Aggressivität und Gesprächsverweigerung reagiert. Aber vielleicht lernt man das in der PR-Schulung als Profisportler.

Etwas lange Rede, sehr kurzer Sinn: Die SVP-Propaganda der neuen Art funktioniert.

Wer sich etwas umhört und nicht nur ebenjene Propaganda konsumiert, wird schnell verstehen, dass uns hier eine ziemlich undurchsichtige Initiative zur Abstimmung vorliegt. NGOs wie Amnesty International beziehen Position gegen die Initiative. Auch die rechts von der Mitte politisierende FDP stellt sich klar gegen die Initiative. Wollen die also tatsächlich «fremde Richter»? Ähm, nein… aber das mit den fremden Richtern ist sowieso nicht ganz so einfach, wie man es vielleicht vermuten würde. Michael Elsener hat das ziemlich treffend in einem Video zusammengefasst:

 

Also, hey: Lasst Euch nicht verarschen. Immer, wenn ein Parlamentarier über die «Elite» schimpft (zu der er ja ganz offensichtlich selber gehört), sollte man hellhörig werden. Wenn eine teure nationale Plakatkampagne gänzlich ohne das Logo der verantwortlichen Partei auskommen, sollte man ebenfalls hellhörig werden. Über einen EU-Beitritt stimmen wir bei der SBI auch nicht indirekt ab. Zum Schafott wird ebenfalls niemand geführt. Und wenn jemand das anders sieht: Ich bin gerne zu einer Diskussion bereit. Und nein, ich werde Dich nicht unfrienden. 😉

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Einen interessanten Artikel zum Thema gibt es auch in der Republik zu lesen.

Laut diesem Artikel der NZZ könnte es am Abstimmungstag noch knapp werden.

Konzertsommer 2018

Ein äusserst vielseitiger Konzertsommer ist am letzten Samstag zu Ende gegangen. Es waren richtig gute Konzerte darunter und auch ein paar eher durchschnittliche. Hier ein paar Ausschnitte daraus:

Eels hat das Blue Balls Festival 2018 eröffnet. Ich hatte ihn zuvor noch nie live erlebt. Die Musik war völlig ok, sein Gesag sowieso. Was den Abend speziell machte, war Mr. E himself. Einer, der beim Vorstellen der Band schon mal sagt «let’s start with… me». Er kommt so schräg rüber, wie ich das erwartet hatte.

Diese Zusammenstellung ist chronologisch. Würde sie nach aufsteigender Qualität des Konzerts verlaufen, Tom Odell käme wohl ganz zuletzt. Was der am Blue Balls Festival 2018 für eine Performance hingelegt hat… es hat mich einfach weggehauen. Was für eine Präsenz, was für eine Stimme, was für geile Songs. Schlicht grossartig.

Alanis Morissette – hach… an ihr (also eigentlich an ihrer Musik) hängen so viele Erinnerungen. Wie wir ihr erstes Album Jagged little Pill damals geliebt haben. Da waren unglaublich viele Hits drauf. Und genau diese Hits spiele sie an ihrem Konzert am Blue Balls Festival 2018 vor allem. Etwas nervös wirkend, gesanglich jedoch durchaus gefällig aber immer mit einer gewissen Distanz. Mehr als ein kurzes «Thank you» brachte sie nie über die Lippen. Auch wenn ein Song wie You learn noch heute Gänsehaut bei mir auslöst… da wäre viel mehr möglich gewesen.  Schade.

Revolverheld hätte ein echtes Highlight werden können. Schliesslich haben die Jungs das grossartige Denkmal von Wir sind Helden gespielt. Aber – und das habe ich noch ganz selten erlebt – sie wussten nicht, wann gut war. Das Konzert hörte somit nicht nach einem Höhepunkt, sondern nach unendlich lang scheinenden Spielereien und Blödeleien auf. Schade.

Noch ganz selten habe ich in der Schweiz ein derart lautes Konzert erlebt, wie jenes von Hurts. Ansonsten war das sehr professionell, sehr gut gespielt aber vielleicht auch etwas glatt. Andererseits passt das natürlich auch zum Sound der Briten.

Mehr als ein Jahr vorher hatte ich die Tickets bereits gekauft. Das ist wohl so üblich bei einem Superstar wie Ed Sheeran. 48’000 füllten das Letzigrund, um den Mann und seiner Gitarre zu lauschen. Ok, ein Loopgerät war auch noch mit von der Partie. Man muss ihn erlebt haben. Dass seine Songs grossartig sind, merkt man schon am Radio. Den echten Ed Sheeran sieht man wohl aber nur live. Unglaublich, wie er zwei Stunden lang alles gibt. Toll, wie er immer wieder witzige Anektoten einwirft. Eindrücklich, wie er das Publikum mitreisst.

Die Toten Hosen sind ein fester Konzertwert. 50’000 Menschen auf der Luzerner Allmend wurden immer wieder zum Mitsingen animiert. Manch einer mag einwerfen «Punk ist das aber nicht mehr». Mag sein, Spass macht es allemal. Und als am Ende dann die Hymne YNWA gespielt wurde, war für mich sowieso alles in Ordnung.

Krokus hatte ich zuvor noch nie live gesehen. Im Rahmen eines Privatkonzerts kam ich zum ersten Mal in den Genuss der Schweizer Rocklegenden. Und ich muss sagen: Die Herren haben es richtig drauf. Zwischen Covers von Neil Young, Bob Dylan, Steppenwolf, AC/DC und The Guess Who fielen die Krokus-Songs nicht ab.

Von Hymnen und Adlern und Ehre

Not again. Wie oft haben wir darüber «diskutiert», wer nun die Nationalhymne singe und wer nicht? Ah ja, es geht natürlich um unsere Fussball Nationalmannschaft, die Nati, die gestern Serbien mit 2:1 geschlagen hat. Das ist grossartig, doch wird uns nicht der Sieg, sondern die Jubelgeste unserer Torschützen in Erinnerung bleiben.

Die Vorgeschichte ist bekannt, in Serbien träumt man noch immer von «Grossserbien» und versteht jede Abspaltung von jenem erträumten Reich als Affront. In der Schweiz gibt es einen grossen Anteil unter der zugewanderten Bevölkerung, die aus Albanien oder dem noch jüngeren Kosovo stammt. Dementsprechend finden sich auch Spieler jener Abstammung in der Nationalmannschaft der Schweiz. So weit, so intergriert. Klar singen nicht alle die Hymne mit. Aber seien wir ehrlich: Wer von uns beherrscht auch nur den kleinen Teil, der jeweils vor dem Spiel zu singen wäre? Textlich und vor allem gesanglich? Und wer würde sie dann vor Millionenpublikum noch lauthals singen? Eben. Trotzdem könnte man das von den 11 natürlich erwarten. Im Endeffekt sollen sie aber mit ihrer Leistung auf dem Platz zeigen, dass sie sich für unser Land einsetzen wollen.

Jene Spieler haben ebenso zwei Herzen in ihrer Brust, wie Ricardo Rodrigues oder früher vielleicht Ciriaco Sforza oder Kubi. Auch das versteht im Prinzip jeder, der nicht bei jeder Gelegenheit meint, er müsse zwischen Schweizern und «Eidgenossen» unterscheiden. (Hier habe ich zu jenem Quatsch bereits einmal etwas geschrieben) Was niemand versteht, ist ebenjene Geste, die unsere Nummern 10 und 23 nach ihren tollen Toren gestern präsentiert haben. Der albanische Doppeladler wird mit den Händen geformt. Und gestern wurde er vor allem geformt, um die Fans des Gegners aus Serbien zusätzlich zu provozieren. Abgesehen davon, dass man in der Schweizer Nationalmannschaft eben die Schweiz und nicht Albanien oder den Kosovo an der Weltmeisterschaft vertritt, ist so etwas einfach überaus infantil und peinlich.

Nach dem Spiel wollten Xherdan und Granit dann nicht wirklich viel von der Geste wissen, wenn man sich die Interviews so anhört. Das sei ja gewesen und man solle doch das Resultat und das tolle Spiel anschauen. Gut und recht. Nur: Die ganze Geschichte mit der Abspaltung von Serbien ist auch «gewesen». Der Anspruch der Serben, der von der Schlacht bei Amselfeld herrührt ist auch «gewesen». Wenn ihr so verdammt gut im Vergessen seid, warum vergesst ihr diese historisch glorifizierte Kacke nicht endlich mal? Ich gehe nicht davon aus, dass ich mit euch jemals ein Gespräch darüber führen werde. Aber ich stelle mir die Antwort bei der Konfrontation so vor, dass ihr mit irgendeiner «Ehrengeschichte» kommen würdet. Und das wäre dann natürlich wichtig und so. Hier meine Replik darauf:

Habt ihr euch schon mal überlegt, dass es eine Ehre sein könnte, für die Schweiz an der WM mit dabei zu sein? Habt ihr euch schon mal überlegt, dass Dutzende Spieler gerne an eurer Stelle wären, aber genau ihr den Platz in der besten Elf gekriegt habt? Habt ihr euch schon mal überlegt, welches Land euch eure grossartigen Fussballerkarrieren überhaupt erst ermöglicht hat? Und habt ihr euch schon mal überlegt, dass zuhause in der Schweiz (mindestens) ein Drittel der Bevölkerung nur darauf wartet, bis ihr so eine behämmerte Adlergeste macht, damit ihr das Klischee der Nichtintegrierten wieder richtig schön bewirtschaftbar macht? Denkt ihr darüber nacht, dass ihr damit viele bestens intergrierte Menschen aus dem Balkan in die genau gleiche Erklärungsnot bringt, in der ihr euch selbst befindet? Ihr braucht mir auf all diese Fragen nicht zu antworten. Aber wenn ihr es wirklich so mit der Ehre habt, dann strengt euch gopfertamminomol gefälligst an und zwar in jeder einzelnen Sekunde, in der ihr für unser Land auf dem Rasen steht. Dann gewinnen wir am Ende noch den Pokal. Wir. Zusammen. Ehrenvoll und so.

Hopp Schwiiz!!!

Formula-E-Premiere in Zürich

Schon ist er vorbei, der allererste Zürich E-Prix. Ich kann es eigentlich immer noch nicht wirklich glauben, dass es nach unglaublichen 64 Jahren wieder mit einem Rennen auf einer Rundstrecke (wenn auch einer temporären) in der Schweiz geklappt hat. Natürlich musste ich mir das vor Ort anschauen.

Genial ist, dass man im Prinzip freien Eintritt zur Strecke geniesst. «Im Prinzip» weil es noch bessere Plätze auf den Tribünen gibt, die dann eben nicht gratis sind. Aber bei welchem grösseren Motorsportereignis kann man schon kostenlos so nahe an den Track?

Überhaupt ist die Formel E ganz anders als die Formel 1 ausgerichtet. Das merkt man auch dem Publikum an. Die Kinderwagendichte ist enorm hoch, es wird in Hüpfburgen gesprungen und ständig hört man irgendwo Livemusik. Das Catering ist in Form von Food Trucks primär am Eingang beim Bürkliplatz zu finden. Von Tamilisch über Vietnamesisch bis zu den üblichen Burgern gibt es alles an (typischerweise überteuertem) Futter zu kaufen.

Ich war nur für das freie Training vor Ort, weil ich mir die Zuschauermassen während des Rennens nicht antun wollte. Trotzdem ist mir schon am Morgen aufgefallen, wo es noch massives Verbesserungspotenzial gäbe: Ins Infield der Strecke kommt man als «Gratisbesucher» nicht. Doch an den verschiedenen Fussgängerübergängen findet man dazu keine Tafel oder so, die das klar machen würde. Also müssen die Securities jedem einzelnen Besucher erklären, weshalb er die Überführung nicht benutzen darf. Sehr mühsam. Ein Punkt, der direkt daran anschliesst: Es gibt nur einen Weg, um auf die andere Seite der Strecke zu gelangen, und der führt um die gesamte Strecke. Zudem sind die Gänge entlang der Strecke schmal ausgestaltet, was in einer Notsituation etwas kritisch sein dürfte. Ein Problem, dass sich der E-Prix mit praktisch allen Grossveranstaltungen teilt: Die Offiziellen haben nicht wirklich Ahnung, wenn man etwas wissen will. Als ich nach dem Mediencenter fragte, wurde mir ein Blick auf die Karte empfohlen.

Trotz all den negativen Punkten: Die Formel E ist eine enorme Bereicherung für die Schweiz und insbesondere für Zürich. Sie passt mit dem geräuscharmen Antrieb in die Umgebung, die sich nicht selten schon an ein paar startenden Jets stört. Das Rennen war dann zwar ziemlich langweilig, doch das sind viele Formel-1-Rennen auch. Lucas Di Grassi gewann überlegen, obwohl er nicht von zuvorderst gestartet war. Leider holte sich Lokalmatador Sebastien Buemi eine Drive-trough-Penalty, die einen möglichen Sprung auf das Podest endgültig verhinderte. Trotzdem machte die Serie Werbung in eigener Sache. Motorsport zum Anfassen lautet offenbar die Devise. Mit über 200 km/h dürften die E-Boliden in die Herzen vieler junger Fans gerauscht sein. Das für Verbrenner-Gewöhnte seltsame Geräusch tat dem Spektakel keinen Abbruch.

Wer sich für Elektroautos interessierte, fand gleich nach dem Eingangsbereich eine hübsche Auswahl an künftigen Tesla-Alternativen. Mercedes zeigte die Studie EQA, Jaguar den I-Pace und Audi den e-Tron. Bei BMW stand neben den bereits erhältlichen i3 und i8 ein Ausblick auf den sogenannten iNext.

Zurück zum Hauptevent: Der Termin für nächstes Jahr steht bereits in der Agenda der Formel E. Der Zürich E-Prix findet am 9. Juni 2019 statt. Allerdings muss zuerst noch geklärt werden, ob die Stadt (und einige ihrer mühsamsten Bewohner) wieder mitspielen. Für mich ist klar: Der E-Prix von Zürich ist beste Werbung für die Stadt und unser Land.

Und wenn Zürich nicht will… vielleicht doch noch eine Chance für Luzern?

Adoption

Normalerweise äussere ich mich nicht zu Themen, die mich persönlich betreffen. Da habe ich in der Vergangenheit in vielen Fällen eine Linie gezogen, da ich mich nicht exponieren möchte. Zwei mit Adoption im Zusammenhang stehende Themen haben mich aber derart aufgewühlt, dass ich mich nun irgendwie äussern muss. Das eine ist die Diskussion um die Ehe für alle (#ehefüralle), wo es immer wieder auch darum geht, wer adoptieren darf und wer nicht. Das andere ist der Skandal um die Adoptionen aus Sri Lanka in den 1980er-Jahren, wo sich immer mehr zeigt, dass da teilweise kriminelle Vorgänge abliefen. Ich versuche mal, zu beidem etwas zu schreiben.

Sri Lanka

Im Beitrag der Rundschauf auf SRF1 vom 16. Mai 2018 wird verhältnismässig objektiv über die Geschehnisse in den 1980er-Jahren berichtet. Offenbar war es in Extremfällen so, dass Kinder ihren Eltern ohne deren Einverständnis weggenommen wurden, um sie dann zu verkaufen. Vor Gericht tauchte dann nicht die echte Mutter, sondern eine Schauspielerin auf. Natürlich ist es heute schwer herauszufinden, wer wirklich auf diese kriminelle Art zur Adoption freigegeben wurde, zumal eine der Mitverantwortlichen aus der Schweiz die Vermittlerin Alice Honegger war, die in 1997 gestorben ist. Weiter soll es sogenannte Baby Farms gegeben haben. Um den Bedarf an Adoptivkindern zu decken, sollen sie dort regelrecht «produziert» worden sein.

Etwa 700 Kinder wurden in jener Zeit aus Sri Lanka in die Schweiz vermittelt. Eines davon war ich. Schwer zu sagen, wie gross der Anteil jener war, die diesen Weg auf illegale Weise gegangen sind. Alice Honegger habe 250 Dossiers hinterlassen, die ihr Adoptivsohn auf Verlangen den Behörden abgeben würde.

Natürlich gibt es verschiedene Aspekte, die berücksichtigt werden sollten. Am Ende bleibt es aber eine Tatsache: Viele Kleinkinder aus Sri Lanka wurden in jener Zeit ihren Müttern entrissen. Wenn das heute noch irgendwie möglich ist, wäre es zwingend notwendig, die noch lebenden Beteiligten juristisch zu verfolgen und entsprechend zu bestrafen.

Ich hatte Glück. Viel Glück. Ich bin nicht nur in einem der sichersten und freiesten Länder der Welt gelandet, sondern habe auch noch tolle Eltern «erwischt», die sich immer liebevoll, unterstützend und wohlwollend um mich gekümmert haben. So wie man das mit einem Kind halt macht. Sie sind meine Eltern. Hier ist meine Heimat.

Doch viele Adoptierte können das entweder nicht von sich behaupten, oder sie haben irgendwann eine Identitätskrise, in der der dringende Wunsch erwacht, die biologischen Eltern zu finden und kennenzulernen. Oder sie entwickeln einfach eine enorme Neugier für die eigenen «Wurzeln». Das hatte ich nie. Doch gerade für jene Suchenden ist es dann emotional umso brutaler, wenn sie von diesen missbräuchlichen Abläufen erfahren. Es drängt sich die Frage auf: «Vermisst mich meine Mutter seit über 35 Jahren?» Das Unwissen schmerzt noch mehr, wenn man erfährt, dass die leiblichen Eltern vielleicht nie die Absicht hatten, ihr Kind abzugeben. Eine traurige Geschichte, die danach schreit, das sie von offizieller Seite beider Länder richtig aufgeklärt wird.

Ehe für alle

Dass Homosexuelle nicht mehr benachteiligt werden, sollte im 21. Jahrhundert eigentlich selbstverständlich sein. Immer wieder erlebe ich aber, dass dem im konkreten Fall dann eben doch nicht so ist. So ist die Heirat noch immer nicht möglich, nur die eingetragene Partnerschaft. In den letzten Tagen hat mich das Gefühl beschlichen, dass dies vor allem aus der Angst heraus abgelehent wird, Homosexuelle (vor allem männliche) könnten irgendwann Kinder adoptieren.

In dieser Beziehung hat sich der Präsident der Luzerner CVP mit einem Tweet in die Nesseln gesetzt. Inzwischen hat er seinen Account gelöscht. Was er geschrieben hat, vergesse ich so schnell aber nicht:

Mann + Frau: geht
Frau + Frau: geht irgendwie
Mann + Mann: geht nicht

Es war darauf bezogen, dass biologisch eben nur Frauen Kinder bekommen können. Mittels künstlicher Befruchtung wäre das auch bei einem rein weiblichen Paar möglich, bei einem männlichen naturgemäss nicht. Die Fehlüberlegung ist aber offensichtlich: Wenn eine Hetero-Paar ein Kind adoptieren möchte, ist es ja häufig so, dass eben die «natürliche Variante» nicht geklappt hat. Dem Gedankengang von Ineichen folgend würde das dann bedeuten, das diesen Hetero-Paaren eine Adoption verwehrt bliebe. Einer ähnlichen Denke folgt Armin Züger, der (komischerweise?) der gleichen Partei wie Ineichen angehört.

https://twitter.com/ArminZueger/status/997129582934446081

Mit dem, was da steht, können wir leben. Kein halbwegs normaler Mensch wird sich ernsthaft wünschen, Kinder wie ein T-Shirt kaufen zu können. Doch dahinter liegt natürlich ein anderer Gedanke. Später in diesem Twittergespräch hat er in auch formuliert: Es sei eben nicht natürlich.

Ich erlebe nicht selten, dass der Begriff «natürlich» verwendet wird, wenn man etwas positiv hervorheben will. Dabei geht vergessen, das nichts was wir heute im Alltag regelmässig brauchen wirklich natürlich ist. Möchten wir darauf nun einfach verzichten, weil es nicht natürlich ist? Wohl kaum. Und dann ist da natürlich die Medizin, die so manch «natürliche Unsicherheit» zu korrigieren weiss. Gerade auch während Schwangerschaften wird medizinisch eingegriffen.

Screenshot at Mai 18 10-43-34

Die Natur würde eine weitaus höhere Todesrate vorsehen. Das kann man nicht wirklich wollen, oder Armin Züger? Meine Einschätzung ist sowieso, dass dieses «das ist nicht natürlich»-Argument immer dann gebracht wird, wenn man sich den wahren Grund nicht zu nennen getraut. Auch wenn er sagt, sein bester Freund sei schwul, vermute ich dennoch eine gewisse Ablehnung von Homosexualität.

Ganz bestimmt sind sowohl Züger als auch Ineichen gegen die Adoption von Kleinkindern durch Schwule. Denn das wäre ja nicht natürlich. 😉 Wenn sie ehrlich wären, würden sie wahrscheinlich sagen, dass sie homosexuelle Beziehungen als minderwertig einschätzen. Sie würden auch sagen, dass sie Angst hätten, dass Kinder mit homosexuellen Eltern schlechter erzogen würden. Wahrscheinlich sogar, dass diese Kinder die Tendenz hätten, selbst homosexuell zu werden.

Doch kommen wir zurück von den Mutmassungen in die Realität: Nicht alle Hetero-Eltern sind super, auch wenn sie «natürlich» sind. Nicht alle Kinder haben zwei Elternteile, aus welchen Gründen auch immer. Mit welcher ernsthaften Argumentation kann man wirklich darlegen, dass homosexuelle Eltern automatisch und bedingt durch ihre Homosexualität schlechtere Eltern und somit auch schlechter für das Kindswohl sind? Und wenn man das nicht kann, wovon ich ausgehe, wie kann man dann mit rationalen Argumenten die Adoption von Kindern durch ein sich liebendes homosexuelles Paar ablehnen?


Media

Babyschmuggel aus Sri Lanka (SRF)
Adoption Fraud (Zembla / Youtube)

Niemandskinder

Christian Ineichen löscht Twitter Account (zentralplus)
Infos zur SRF Arena vom 18.5.2018

In eigener Sache:

Es scheint fast so, als könnte ich momentan nur dann wirklich schreiben, wenn ich mich so richtig ärgere. Insofern ist die lange Pause zwischen den hier erscheinenden Beiträgen ja eigentlich ein richtig gutes Zeichen.


Gegendarstellung von Armin Züger:

Ich habe nichts gegen Adoption durch Homosexuelle. Ich habe auch keine Angst dass Kinder von Homosexuellen selber homosexuell werden könnten. Ich halte homosexuelle Beziehungen nicht für minderwertig. Das «unnatürlich» beziehe ich auf Leihmutterschaft und Reagenzglas-Befruchtung. Für mich steht das da etwas zu wenig klar, dass es sich um Mutmassungen handelt. Es entsteht der Eindruck ich sei Homosexuellen gegenüber negativ eingestellt. Was nicht stimmt.

Begrenzungsinitiative – meine 5 Rappen

Wie gerne würde ich hier nur über Friede, Freude und Eierkuchen schreiben. Obwohl, nee, Eierkuchen mag ich einfach nicht. Und es gibt ja sowieso die SVP, unsere Lieblingspartei vom Dienst, die solche Gedanken bereits in Ansätzen zerstreut. Der neueste Wahnsinn von Rechtsaussen ist die sogenannte Begrenzungsinitiative.

Damit man versteht, warum diese Initiative total verkehrt ist, ein paar Fakten.

Seit 4 Jahren nimmt die Zuwanderung aus dem europäischen Raum in die Schweiz ab. (vgl. NZZ)
Illegale Einreisen haben 2017 massiv abgenommen. (vgl. NZZ)
Der Bestand an Leerwohnungen nimmt seit 2014 zu. (vgl. Bundesamt für Statistik)

Screenshot at Jan. 18 11-50-18

Die Erwerbslosenquote ist seit Jahren stabil. (vgl. Bundesamt für Statistik)
Die Wirtschaft braucht die Zuwanderung. (vgl. Seco)

Diese Fakten sollte man im Hinterkopf haben, wenn man sich die Idee der Begrenzungsinitiative zu Gemüte führt. Das Abkommen zur Personenfreizügigkeit, ein fundamentaler Pfeiler unseres Verhältnisses zur Europäischen Union, soll gekündigt werden. Dann käme automatisch die Guillotine-Klausel zur Anwendung: Sämtliche mit der EU abgeschlossenen Abkommen im Rahmen der Bilateralen I würden gekündigt.

Angesichts der eindeutigen Faktenlage stellt sich natürlich die Frage, wie man überhaupt auf die bescheuerte Idee kommt, eine solche Initiative zu lancieren. Für mich gibt es drei mögliche Erklärungen, die (so viel sei schon vorher verraten) allesamt nicht wirklich zu überzeugen vermögen. 1. Striktes Befolgen früher festgelegter Strategien: Schon seit Jahren will die Partei gegen die Einwanderung vorgehen. Auch jetzt, wo diese offenbar abnimmt geht man darum diesen Kurs einfach stur weiter. 2. Pure Wahlpropaganda: Mit der Bekämpfung der Zuwanderung war es schon immer besonders leicht, Wähler zu mobilisieren. 3. Fremdenfeindliche Haltung: Man ist wirklich gegen die ausländischen Menschen, die hierher kommen.

Was sagen eigentlich die Urheber der Initiative? Der Präsident der SVP wird in der Aargauer Zeitung folgendermassen zitiert:

SVP-Präsident Albert Rösti (BE) warnte vor einer Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern, vor fehlenden Arbeitsplätzen, unbezahlbaren Mieten, verstopften Züge und Autobahnen und verschuldeten Sozialwerken. Dass die Zuwanderung Wohlstand bringe, sei ein Märchen, sagte Rösti. Der Kuchen werde zwar grösser. Geteilt durch eine immer grössere Anzahl Leute blieben die Kuchenstücke immer gleich gross.

Was an den 10 Millionen so gefährlich ist, wird nicht wirklich klar, aber es klingt natürlich nach viel. Tatsache ist, dass die Altersstruktur in der Schweiz so ist, dass die Zahl der Arbeitenden (und damit jener, die in die Sozialwerke einzahlen) im Verhältnis zu den Pensionierten abnimmt. Diese Tendenz kann nur durch Zuwanderung gebremst werden. Das mit den Arbeitsplätzen ist erwiesenermasen falsch, das mit den Mieten ebenfalls. Die Infrastruktur im öffentlichen Verkehr und bei den Strassen muss so oder so weiter verbessert werden, was bereits geplant ist. Das Argument mit den Sozialwerken habe ich bereits widerlegt. Somit führt mich auch Röstis Begründung zu den drei möglichen Erklärugen von oben zurück. Welche soll es denn sein?

SRF – Billagdiskussion

Vor bald zwei Jahren habe ich das Thema hier schon einmal umrissen. Inzwischen liegt eine Initiative zur Abstimmung vor, über die wir bereits Anfang März befinden werden. Auch wenn es bis zur Abstimmung nicht mehr lange dauert, so erstaunt der frühe Rummel irgendwie doch. Schaut man sich die Sache etwas näher an, wird aber schnell klar, weshalb das so ist. Im Grunde geht es um die totale Demontage der heutigen SRG. Niemand mit einem Mindestmass von Kenntnissen im Bereich der Medienökonomie wird etwas Anderes behaupten. Ein paar Gedanken zu lose miteinander verbundenen Themen:

Das Netflix-Argument

«Bei Netflix bekomme ich Hunderte Serien in höherer Qualität als bei SRF und ich kann dazu noch die Sprache bzw. jene der Untertitel wählen. Das ganze kostet nur läppische 15 Stutz im Monat. Wozu brauche ich dann noch SRF?» So oder ähnlich habe ich das in den letzten Wochen und Monaten öfters gehört. Zuerst zu meiner Situation: Ich habe nicht nur Netflix, sondern auch Amazon Prime, Spotify und DAZN im Abo. Im Gegensatz zu den meisten, die dieses «Argument» einbringen, kenne ich mich mit diesen Streamingdiensten inzwischen ein wenig aus. Nur hat das eine eben nix mit dem anderen zu tun. Diese Plattformen haben weder eine gescheite Informationssendung, noch befassen sie sich in irgendeiner Weise mit der Schweiz und bis jetzt habe ich auch noch keine rätoromanische Serie auf Netflix entdeckt. Wer blosse Unterhaltung sucht, ist mit diesen Diensten bestens bedient, weshalb sie für mich ein perfekter Ersatz für die Privatsender sind.

Das Ich-will-nicht-für-etwas-bezahlen-das-ich-nicht-nutze-Argument

Schon mal das Wort Solidarität gehört? Aber ich will mal nicht so sein und Euch nicht bloss Schlagworte um die Ohren hauen. Mit unseren Steuern bezahlen wir ständig Dinge, die wir nicht selbst nutzen. Schulen, die wir nicht (mehr) besuchen, Autobahnen, die wir nicht befahren, ja selbst eine Fussballeuropameisterschaft, an der wir selbst nicht mitspielen durften. Nebenbei leisten wir uns auch noch eine Armee, die der Bedrohungslage in keinster Weise gewachsen ist. Sie frisst im Gegenteil der Privatwirtschaft viele Tausend Stunden an Arbeitszeit weg, in denen Angestellte Munition auf einen Hügel ballern, damit sie nächstes Jahr wieder das gleiche Budget beantragen dürfen. Ziemlich sinnlos. SRF dagegen ist nicht sinnlos. Die verschiedenen Sender bieten ein breites Informationsangebot, das auf die Schweiz angepasst ist. Gerade auch bei politischen Themen wird umfassend und fair berichtet. In der Politsendung Arena wird sogar darauf geachtet, dass Befürworter und Gegner eines Themas jeweils möglichst gleich viel Redezeit erhalten.

Müssten wir ständig nur genau das bezahlen, was wir nutzen, wir kämen nicht aus der eigenen Hausausfahrt heraus, ohne das Portemonnaie zu zücken. Es gibt Dinge, bei denen es sinnvoll ist, wenn sie durch den Staat zur Verfügung gestellt werden. Da die Schweiz sehr klein ist und dann noch vier verschiedene Sprachregionen umfasst, könnten gänzlich privat finanzierte Medien qualitativ hochwertige Medieninhalte für unser Land unmöglich auch nur kostendeckend produzieren.

Das Zwangsgebühr-Argument

Nun, das ist eigentlich gar keines. Denn eine Gebühr ist immer mit dem Zwang verbunden, selbige zu entrichten. Es handelt sich lediglich um ein Stilmittel, hier noch das negativ konnotierte Wort Zwang miteinfliessen zu lassen. Nur schade, dass sich die Gegner der Vorlage inzwischen ähnlicher Methoden bedienen (müssen?).

Das alles-SRF-Journis-sind-links-Argument

Ich kenne die politische Gesinnung der meisten SRF-Journis nicht. Tatsache ist, dass Journalisten (nicht nur jene der SRG) generell eher links eingestellt sind. Somit also auch jene bei SRF. Dass es auch Gegenbeispiele gibt, zeigt der ehemalige Arena-Moderator Filippo Leutenegger, der selbst in der FDP eher am rechten Flügel zu verorten ist. Sollte tatsächlich einmal tendenziös berichtet werden, gibt es immer noch die Möglichkeit, an die Ombudsstelle zu gelangen.

Das SRF-ist-nicht-unabhängig-Argument

Einmal wird von Staatsmedien geschrieben, dann wieder wie links SRF eben sei. Natürlich stimmt beides nicht. Wer sich echtes Staatsfernsehen anschauen will, schaltet vielleicht einmal auf RT (vormals Russia Today). Wenn man sich das Parlament anschaut und dann in der Annahme, dass es sich bei SRF wirklich um ein Staatsfernsehen im engeren Sinne handelt auf die Gesinnung desselben schliessen müsste, wäre diese kaum links. Insofern ergibt dieser Vorwurf sehr wenig Sinn.

Sinnvoll aus Sicht der Initianten ist aber der Angriff auf ein unabhängiges Medium wie es SRF eben darstellt. Denn es ist weitgehend unbeeinflussbar. Man braucht kein Verschwörungstheoretiker zu sein, um zu begreifen, worum es hier mitunter auch geht: Ist SRF erst einmal aus dem Weg geräumt, könnte der mediale Meinungsbildungsprozess viel stärker beeinflusst werden. Und wenn man die Vorgänge in der Printwelt der Schweiz in den letzten Jahren anschaut, ist klar, in welche Richtung es gehen wird. Nach der Übernahme der BaZ und jener der Zehnder Medien, dürfte dann auch im TV die Stossrichtung klar sein. Während SRF tatsächlich unabhängig ist, blüht uns nach einer Annahme der Initiative ein rechtsdominiertes Fernsehen blocherscher Prägung.

Fazit

Seien wir ehrlich, niemand bezahlt gerne Billag (oder Serafe, wie es bald heissen wird). Aber wenn wir weiterhin von gut gemachten, neutralen Berichten profitieren möchten, wenn wir die viersprachige Schweiz weiterhin fördern möchten und wenn wir weiterhin Freude an Eigenproduktionen wie «Der Bestatter» haben möchten, müssen wir diese Vorlage bachab schicken. Im Sinne der Solidarität, die unser Land auszeichnet, kann es keine andere Antwort als ein fettes «Nein» auf dem Stimmzettel geben.