bezahlen für nytimes.com?

um auf die inhalte von nytimes.com zuzugreifen wird man möglicherweise schon bald 5 usd pro monat zahlen müssen. wie die nzz online berichtet, kämen abonnenten mit der hälfte davon. natürlich hat man als user generell die sicht, dass alles gratis sein muss. auf der anderen seite regt man sich auch auf, wenn eigentliche informationsseiten unter riesigen haufen von werbelayern zugedeckt gar nicht mehr als solche zu erkennen sind. also lieber bezahlen und dafür recherchierte berichte, die nur mit wenig werbung «garniert» sind, in vollem umfang online geniessen? eigentlich keine schlechte idee. aber 5 dollar sind dann wieder etwas viel, wenn man neben der ny times auch noch andere zeitungen konsultieren möchte und jedes dieses blätter einen solchen betrag kassiert. wenn man dann aber wieder ein jahresabo der nzz anschaut, das satte 465 chf verschlingt… das macht pro monat 36 usd. ok, das ist die gedruckte aufgabe, aber seien wir ehrlich, auch die landet in der papiersammlung. dann sind die 5 dollar für die ny times auf einmal doch nicht mehr so viel. und wenn man weiter in betracht zieht, dass momentan alle grossen medienhäuser tendenziell ihre berichterstattung aus finanziellen gründen einschränken, ist es wohl doch schlauer rechtzeitig auch für online-inhalte geld zu verlangen. sonst werden vielleicht auch dort wie beim tagesanzeiger ganze redaktionen einfach so wegrationalisiert und deren beiträge durch meldungen anderer zeitungen oder agenturen ersetzt.

also: besser jetzt für gute online-inhalte bezahlen als bald nur noch 20min-schrott vorgesetzt zu kriegen.

9 Antworten auf „bezahlen für nytimes.com?“

  1. journalismus
    gratis ist nicht gratis. eine gratis-zeitung lebt davon, ihre leser an werbende firmen zu verkaufen; die leser bezahlen am ende also trotzdem. das resultat ist eindeutig: wer 20min liest ist hinterher dümmer als zuvor. die «zeitung» ist voll mit falschmeldungen, halbwahrheiten, nutzlosem promi-müll, polemik, und als news getarnter werbung.

    investigativjournalismus kostet viel geld. kein blogger kann eine einzige story monatelang gratis verfolgen. zeitungen wie die nytimes sollten uns daher etwas wert sein.

  2. Zukunft der Zeitung
    Ob der E-Zeitung das gleiche Schicksal blüht wie der Musik- und Filmindustrie? Was im Netz kostet wird doch heutzutage zum Leidtragen der Macher ja kostenlos unter Usern verbreitet. Werden wir uns unsere E-Papers bald mit Peer2peer software runterladen?

  3. werbung und kleinanzeigen
    >Ob der E-Zeitung das gleiche Schicksal blüht wie der Musik- und Filmindustrie?
    die traditionelle musik-industrie ist eine zwischenhändler-industrie. auch ohne filesharing hätte das internet diese industrie obsolet gemacht. die filmindustrie scheint vom internet nicht gross beeinträchtigt zu werden (siehe z.b. verkaufte kinotickets in den usa). problematisch ist für die filmindustrie eher der misserfolg von bluray, und die tatsache dass die leute lieber videogames kaufen.

    zeitungen haben zwei probleme:
    1) fallende preise für werbung
    2) online-märkte für kleinanzeigen

    das internet hat den preis für werbung gedrückt. ein blog kann damit trotzdem überleben, für zeitungen ist das ein problem.

    das internet hat den markt für kleinanzeigen zerstört. fast niemand bezahlt heute noch für eine kleinanzeige in einer zeitung, und kleinanzeigen waren für viele zeitungen eine wichtige einnahmequelle.

    >Was im Netz kostet wird doch heutzutage zum Leidtragen der Macher ja kostenlos unter Usern verbreitet.
    du implizierst vier annahmen:
    1) die leute sharen alles
    2) wenn etwas gratis erhältlich ist wird es nicht mehr gekauft
    3) filesharing ist immer schlecht für die macher
    4) gesharte dinge haben den selben wert wie gekaufte dinge

    alle vier annahmen sind falsch.

    1) «die leute sharen nicht alles.» wer seine kunden mit respekt behandelt wird umgekehrt von seinen kunden mit respekt behandelt. als beispiel führe ich take control ebooks auf, ein online-buch-publisher der alle seine bücher als ungeschützt pdfs veröffentlicht. ich habe noch nie so ein buch auf einem P2P-system gesehen. wenn sich eine industrie wie die suisa oder die riaa verhält ist es nicht weiter verwunderlicht dass die leute kein problem damit haben diese industrien umgekehrt auch respektlos zu behandeln. aber take control ist definitiv eine ausnahme; grundsätzlich hast du recht, was existiert wird auch geshared (nicht nur online publizierte dinge, beispielsweise auch normale print-bücher)
    2) «wenn etwas gratis erhätlich ist wird es nicht mehr gekauft.» das ist falsch. der monetäre preis ist nicht der einzige preis, den ein konsument bezahlt. du bezahlst auch mit deiner zeit. auf iTunes einen song zu kaufen ist einfach und schnell. den selben song in guter qualität auf einem p2p-system zu suchen dauert länger, und die qualität (insbesondere tags und cover art) ist teilweise nicht perfekt. das ist okay wenn deine zeit wertlos ist und du wenig geld hast (was auf studenten und viele jugendliche zutrifft), aber es ist nicht okay wenn deine zeit wert hat und du geld hast (was auf so ziemlich alle erwerbstätigen menschen zutrifft). in diesem fall ist filesharing nichts anderes als progressive preisgestaltung. die reichen subventionieren die armen. damit komen wir zu punkt 3.
    3) «filesharing ist immer schlecht für die macher.» ist filesharing wirklich immer schlecht für die hersteller? in vielen fällen ja, aber nicht immer. progressive preisgestaltung ist grundsätzlich positiv: wer sich etwas leisten kann bezahlt dafür, wer es sich nicht leisten kann ist trotzdem kunde und wird später vielleicht zu einem zahlenden kunden. ein anderer aspekt ist die frage, woher das geld für die ursprünglichen hersteller überhaupt kommt. bei der musikindustrie kommt das geld im allgemeinen nicht aus dem albumverkauf. bands bezahlen labels, damit diese ihre cds publizieren; das publizieren von cds ist eine werbeausgabe. bands verdienen geld mit konzerten, merchandise und product endorsements. in diesem fall ist das filesharing ebenfalls nicht schlecht für den ursprünglichen hersteller. ein weiteres beispiel sind tv-serien. filesharing führt zu mehr dvd-verkäufen von tv-serien und ist effektiv gratiswerbung. ebenfalls nicht schlecht für den hersteller. wer ein e-paper runterlädt und spannend findet bezahlt vielleicht gerne ein paar franken pro woche dafür; das gratis-produkt ist ein loss-leader. das gut für den hersteller. damit sind wir beim vierten punkt:
    4) «gesharte dinge haben den selben wert wie gekaufte dinge.» das ist falsch. wenn du ein e-paper abonnierst, hast du zwei sicherheiten: erstens weisst du, dass der inhalt wirklich vom publisher stammt, und zweitens bekommst du das paper jeden tag zur selben zeit. du weisst, dass du das paper jeden morgen im zug automatisch auf deinem e-reader hast. filesharing kann diese garantien nicht bieten.

    es ist gut möglich dass das internet die zeitungen killen wird, aber mit filesharing wird das vermutlich wenig zu tun haben. werbung und kleinanzeigen sind für zeitungen das grössere problem.

  4. Zu den 4 Punkten
    Ich denke der Preiszerfall bezüglich Werbung hängt sehr stark mit den sinkenden Leserzahlen und der Konkurrenz der Gratiszeitungen zusammen. (Grösserer Markt, mehr Konkurrenz) Die Abo-Zahlen der CH-Zeitungen nehmen meines Wissen deutlich ab.

    zu deinen 4 Punkten:

    1. Die Leute sharen nicht alles, es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass heutige Kids mit Gratiszeitungen
    und «Gratis»-Musik vom Netz aufwachsen. Ich glaube, dass das Konsummuster dieser Generation einschneidende Veränderungen, vor allem auch in der Medienlandschaft, mit sich bringt. (am Stuhl der Billag wird ja auch gesägt)
    Es wird (zum Glück) immer Idealisten geben, die bereit sind für ein Produkt zu zahlen, doch gerade das Beispiel der Musikindustrie zeigt doch: Wieso zahlen, wenn man es kostenlos auf dem Netz findet?
    2. deinem 2ten Punkt stimm ich zu (auch das gibt’s 😉
    3. find’s recht schwierig zu urteilen ob filesharing dem Hersteller nützt oder schadet. Es gibt sicher einige Clevere die sich mit den neuen Umständen gut arrangiert haben und das File-sharing als Werbeform nutzen, dennoch glaub ich nicht, dass diese Werbung den Verlust der regulären Einahmen decken. Heutzutage verdienen Bands vor allem an Konzerten und via Merchandising, die fehlenden CD-Verkäufe spüren die Bands/Musiker trotzdem sehr stark. «das publizieren von cds ist eine werbeausgabe» find ich als Musiker eine recht bedenkliche Aussage. Die CD ist ein Kunstwerk, auch wenn das jetzt pathetisch klingen mag. Sie ist nicht einfach Promo-Material. Stell dir vor ein Autor würde Bücher schreiben, damit seine «Kunden» an Lesungen kommen…Die CD an sich hat einen Wert, eine Band soll sich weiterhin die Zeit nehmen dürfen an ihrem «Baby» zu basteln, es zu entwickeln, ich will keine reinen «Live-Bands» mit imposanten Bühnenshows….
    Wie gesagt, das Umfeld hat sich geändert, der Kunde (die Allgemeinheit, nicht der Liebhaber) ist nicht mehr bereit für die Musik zu bezahlen (und das find ich als Musiker bedenklich)
    4. Auch da bin ich deiner Meinung. Diese Annahme hast du aber fälschlicherweise aus meiner Aussage

    «Was im Netz kostet wird doch heutzutage zum Leidtragen der Macher ja kostenlos unter Usern verbreitet.»

    abgeleitet. Der Wert der Ware (wieder das Beispiel mp3) kann um ein Vielfaches geringer sein, dem Grossteil der Konsumenten ist das egal. Ob wir es war haben wollen oder nicht, es gibt zu viele, welche sich mit Zeitungen wie 20min und mp3 mit 128kBit/s begnügen…

    Ich verstehe nicht wieso die Werbung die Zeitungen killen sollte. Werbung wird es ja auch in Zukunft geben, wenn ich Newssites besuche stelle ich fest, dass die Werbung durchaus den Schritt ins Netz geschafft hat.

  5. werbung et al
    > Ich denke der Preiszerfall bezüglich Werbung hängt sehr stark mit den sinkenden Leserzahlen und der Konkurrenz der Gratiszeitungen zusammen
    ja, das ist wahr.

    > es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass heutige Kids mit Gratiszeitungen und «Gratis»-Musik vom Netz aufwachsen
    ich bin mir nicht sicher ob das wirklich relevant ist. wir sind auch mit gratis-games und kopierten cds aufgewachsen, aber nachdem wir genügend geld hatten haben wir uns die sachen trotzdem gekauft.

    > «das publizieren von cds ist eine werbeausgabe» find ich als Musiker eine recht bedenkliche Aussage.
    das ist aber nichts neues, sondern war schon immer so. ob es bedenklich ist oder nicht ist eine frage der einstellung; fakt ist es so oder so.

    > Die CD ist ein Kunstwerk, auch wenn das jetzt pathetisch klingen mag.
    das widerspricht der vorhergehenden aussage ja nicht.

    > Stell dir vor ein Autor würde Bücher schreiben, damit seine «Kunden» an Lesungen kommen…
    viele autoren schreiben fürs publikum und nicht für die kunst, genau so wie es musiker gibt die ihre musik möglichst erfolgsorientiert gestalten.

    > Die CD an sich hat einen Wert, eine Band soll sich weiterhin die Zeit nehmen dürfen an ihrem «Baby» zu basteln, es zu entwickeln, ich will keine reinen «Live-Bands» mit imposanten Bühnenshows
    die wenigstens im internet erfolgreichen musiker würden dem widersprechen. brad sucks oder jonathan coulton haben alles andere als imposante bühnenshows, und zumindest brad sucks arbeitet jahrelang an neuen cds.

    > Wie gesagt, das Umfeld hat sich geändert, der Kunde (die Allgemeinheit, nicht der Liebhaber) ist nicht mehr bereit für die Musik zu bezahlen
    das finde ich eine übertriebene aussage. die cd-verkaufszahlen brechen ein, aber sie sind alles andere als null. ausserdem braucht ein musiker lediglich 1000 einigermassen regelmässig bezahlende fans, um genügend geld für den lebensunterhalt zu verdienen (d.h. fans die monatlich im durchschnitt um die fünf franken für ihren lieblingsmusiker ausgeben). das ist kein unerreichbares ziel.

    vermutlich wird es in zukunft keine superstars mehr geben, aber ist das wirklich ein verlust für die kunst?

    >Ich verstehe nicht wieso die Werbung die Zeitungen killen sollte. Werbung wird es ja auch in Zukunft geben, wenn ich Newssites besuche stelle ich fest, dass die Werbung durchaus den Schritt ins Netz geschafft hat.
    werbung im internet ist viel billiger als werbung in print-medien, aus zwei gründen:
    1) es gibt mehr online-medien als print-medien. der konkurrenzkampf ist grösser, die preise fallen
    2) ein leser einer zeitung wie der nzz ist viel wertvoller als ein besucher auf nzz.ch, weil die chance grösser ist dass der nzz-leser über geld verfügt und dieses auszugeben gewillt ist. deshalb kann die nzz für eine werbung in der print-edition mehr geld verlangen als für eine werbung auf der nzz-site. wenn aber immer mehr leute die nzz online lesen, dann fallen die werbeeinnahmen.

  6. Free
    Ich bin gerade Free von Chris Anderson am lesen (welches man gratis als Audiobuch runterladen kann, was jeder tun sollte der an der Diskussion interessiert ist). Die im Buch postulierten Theorien sind zwar nicht sehr glaubwürdig weil sie vor allem auf Anekdoten basieren, das Buch ist aber trotzdem spannend und enthält viele interessante Fakten, insbesondere zum Musikmarkt. Dani schreibt:

    > Ob der E-Zeitung das gleiche Schicksal blüht wie der Musik- und Filmindustrie? Was im Netz kostet wird doch heutzutage zum Leidtragen der Macher ja kostenlos unter Usern verbreitet.

    und

    > Wie gesagt, das Umfeld hat sich geändert, der Kunde (die Allgemeinheit, nicht der Liebhaber) ist nicht mehr bereit für die Musik zu bezahlen

    Tatsächlich werden aber heute mehr CDs von mehr Bands produziert als je zuvor. Mehr Leute verdienen heute Geld mit Musik als vor fünf oder zehn Jahren. Die Top-Verdiener verdienen weniger, dafür verdienen die wenig populären Bands oft mehr; die Musikindustrie stirbt, aber die Musik ist heute so populär und so vielseitig wie nie zuvor.

    Dass weniger Schutz von intellektuellem Besitz zu mehr Kultur führt mag zuerst paradox erscheinen, tatsächlich macht es aber Sinn. Ein Grossteil der Kultur wird nicht primär zum Geldgewinn produziert, sondern weil die Produzenten Spass daran haben. Je weniger Kultur geschützt wird, desto mehr Freiheiten haben diejenigen Menschen, die Kultur produzieren. Dass die «kleineren» Kulturproduzenten besser mit Superstars konkurrieren können und am Ende von der «Liberalisierung» auch aus monetärer Sicht profitieren ist ein positiver Nebeneffekt vom ganzen.

  7. die frage
    die Musikindustrie stirbt, aber die Musik ist heute so populär und so vielseitig wie nie zuvor.
    dann ist die frage eigentlich eine andere: brauchen wir die musikindustrie? und wenn ja, wozu?

  8. Keine Existenzberechtigung
    > brauchen wir die musikindustrie?
    Falls du mit «Musikindustrie» die Labels meinst: Nein. Soweit ich weiss tut ein Musiklabel vor allem drei Dinge:

    1) Stellt Studio zur Verfügung, um Musik aufzunehmen
    2) Fertigt Tonträger an und liefert diese an Läden
    3) Koordiniert Promotion und Marketing

    Punkt 1) ist heute dank Preiszerfall und Computer nicht mehr nötig, Punkt 2) ist dank Internet nicht mehr nötig, und in Punkt 3) waren Labels schon immer mies, das kann eine Band oder ein Musiker heute besser alleine, ebenfalls dank dem Internet.

    Die traditionelle Musikindustrie hat heute keine Existenzberechtigung mehr, und das völlig unabhängig von den Copyright-Verletzungen.

  9. musikmarkt
    via slashdot:

    > Overall UK music industry revenues were up in 2008. (…) Sales of recorded music fell 6% for example, digital was up 50% while physical dropped 10%, but concert ticket sales grew by 13%. In terms of what consumers spent on music as a whole last year, this surprisingly grew by 3%.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.