the international

in diesem film sind die banken die bösen. und zwar nicht, weil sie übertriebene boni oder löhne zahlen würden. die ibbc in luxemburg ist drahtzieher für gewaltige waffengeschäfte rund um den globus. interpol, allen voran agent salinger (clive owen), ist ihnen zwar auf den fersen, kann aber aufgrund mysteriöser umstände nie im richtigen moment zuschnappen. als salinger in mailand eine heisse spur aufnimmt, beginnt eine packende jagd auf die verantwortlichen dieser verschwörung.

/the/international ist ein spannender thriller mit wenigen aber dafür toll gemachten actionszenen. vor allem aber beherrscht regisseur tom tykwer die vielen städte (berlin, lyon, mailand, luxemburg, new york, istanbul) so in szene zu setzen, wie sie es verdient haben. ähnlich wie bei einem bond ist agent salinger nämlich gezwungen, von stadt zu stadt zu reisen. die story mag möglicherweise das eine oder andere loch haben, dafür ist sie nicht im üblichen sinne belanglos.

guter, nicht vorhersehbarer thriller.

p.s.: wenn jemand von euch den film auch gesehen hat: was hat es mit diesem zaha-hadid-gebäude am lago d’iseo auf sich?

frost / nixon

nur weil ihn sein nachfolger gerald ford vollständig rehabilitiert, kann richard nixon (frank langella) für die watergate-affäre juristisch nicht verantwortlich gemacht werden. doch als im talkshow-moderator david frost (martin sheen) das angebot macht, sich bei einem interview zu allen heiklen fragen zu äussern, wittert nixon die chance seinen ruf in der öffentlich wiederherzustellen. tatsächlich wird frost bei den nach langem tauziehen stattfindenden ersten interviewsessions von nixon an die wand geplappert. doch das prominenteste thema, der vieldiskutierte watergate-skandal steht erst in der letzten von vier sitzungen an…


frank langella gibt einen unglaublichen richard nixon. vergleicht man mimik und gestik mit alten fotos, realisiert man erst, wie nahe am original die darstellung im film wohl ist. der film, der eigentlich auf das duell der beiden hauptpersonen hinausläuft, fasziniert nicht nur mit seiner überzeugenden fast-dokumentarischen art. er schafft es immer wieder, gefühlszustände der akteure ohne worte und ohne over-acting perfekt zum zuseher zu transportieren. dass man ausserdem die watergate-affäre präsentiert bekommt, frischt das geschichtswissen etwas auf. weiter ist erstaunlich viel humor mit drin, vor allem im ersten teil wartet nixon immer wieder mit trockenen sprüchen auf.

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doubt

hat er, oder hat er nicht? der fortschrittliche pater flynn (philip seymour hofman) wir des sexuellenn missbrauchs eines seiner ministranten verdächtigt. als schwester james (amy adams) einen ersten verdacht schöpft, ist die direktorin schwester aloysius (meryl streep) sofort mit an bord. ihr sind die die modernen methoden und predigten über themen wie zweifel sowieso zuwider. da kommt es ihr fast schon gelegen, dass sich der pater am ersten dunkelhäutigen schüler an der schule vergangen haben soll.

einmal mehr sind philip seymour hofman und meryl streep schon fast unglaublich gut. interessant ist aber auch, wie mit dem zweifel des zuschauers gespielt wird. schliesslich kennt jeder mensch zweifel. zweifel am eigenen glauben, zweifel an botschaften anderer und nicht zuletzt zweifel an sich selbst. deshalb könnte der titel gar nicht passender gewählt sein. schliesslich bleibt man hin- und hergerissen zwischen pater flynns und schwester aloysius› version der geschichte. wem soll man glauben, weshalb?

dass der regisseur gleichzeitig der autor des stücks (eigentlich ist doubt ein theaterstück) ist, erklärt die intensive stimmung, die man erlebt. john stanley ist da auf jeden fall ein sehenswerter film geglückt.

milk

harvey milk (sean penn) hat genug vom leben im dunkeln. deshalb zieht es den fast-vierziger von new york in das liberale san francisco. doch auch dort treffen er und sein freund scott smith (james franco) auf gegenwind. milk will dagegen etwas tun und kandidiert für den stadtrat. nach drei gescheiterten anläufen scheint es 1977 endlich zu klappen. schliesslich geht es darum, eine national angesetzte anti-homosexuellen-kampagne zu bekämpfen. in kalifornien soll schwulen lehrern das arbeiten verboten werden. im ärger vereint bekämpft die schwulen-community um milk dieses diskriminierende gesetz. doch sein amtskollege dan white (josh brolin) entwickelt sich mehr und mehr zu einem gefährlichen feind.

sean penn ist genial. musste mal gesagt sein. wie er diesen harvey milk spielt ist stark oscarverdächtig. andererseits ist der film dafür vielleicht zu kontrovers. auf jeden fall ist er sehr gut gemacht, streut immer wieder orignalaufnahmen (oder solche die sehr original wirken) aus den 70er jahren ein. mit über zwei stunden ist er etwas lang geraten. doch es gibt zwei, drei absolute gänsehautmomente wegen derer sich ein kinobesuch schon alleine rentiert.

slumdog millionaire

davon träumt doch eigentlich jeder ein bisschen. bei «who wants to be a millionaire» einfach auf jede frage die richtige antwort zu wissen gelingt aber normalerweise nur zuhause auf der couch. weil jamal malik aber aus den slums von mumbai stammt, nimmt man ihm eine solche intelligenz nicht wirklich ab. er ist unter schwierigsten bedingungen aufgewachsen, nie aber wählte er den weg des geringsten widerstandes. anders als sein opportunistischer bruder salim, versuchte er immer das richtige anstelle des profitabelsten zu tun.

danny boyle, regisseur von trainspotting und the beach, nutzt die millionenshow quasi als stilmittel, um in rückblicken jamals noch junges leben revue passieren zu lassen. immer wieder wird der zuschauer damit konfrontiert, wie gegensätzlich die tv-show und jamals herkunft doch sind. auch wenn der film von einer unglaublichen romanze getragen wird, jamal sucht die ganze zeit über seine latika, entgeht er doch geschickt dem bollywoodkitsch. ein wunderbar farbiger, fröhlicher und gleichzeitig extrem trauriger und manchmal verstörender film.

das erste highlight 2009: unbedingt ansehen.

the curious case of benjamin button

benjamin button (brad pitt) hat eine sonderbare krankheit, die seinen körper jünger statt älter werden lässt. sein geist dagegen altert ganz normal. schon im kindesalter verguckt er sich in daisy. erst jahre später werden sie zueinander finden.


brad pitt, tilda swinton

erstaunlicherweise ist das «gebrechen» des jüngerwerdens gar nicht unbedingt das zentrale thema des films. viel mehr geht es um die schwierigkeit, sich genau im richtigem moment im leben zu treffen. und darum, dass man ende sowieso in die windeln macht, egal in welche richtung man altert. auch wenn der film mit zweidreiviertel stunden wahnsinnig lang ist, wird man doch von der märchenhaften geschichte in den bann gezogen. von den schauspielern hat mir cate blanchett besonders gut gefallen, da sie die hin- und her gerissene daisy so glaubhaft darstellt. dass tilda swinton in der nebenrolle der unglücklichen ehefrau auftaucht, passt ebenfalls bestens. sehr eindrücklich ist natürlich auch brad pitts umgekehrter digitaler alterungsprozess.

ein film, der zum nachdenken anregt, nie langweilt und durch seine machart und schauspieler zu überzeugen weiss.

und habe ich euch eigentlich schon einmal erzählt, dass ich sieben mal vom blitz getroffen wurde?

valkyrie – walküre

graf von stauffenberg (tom cruise) sieht ein, dass hitlers pläne deutschland ins verderben stürzen. um das zu verhindern sieht er nur noch eine möglichkeit: hitler muss sterben. der putsch wird minutiös geplant, bei der ausführung treten dann aber doch einige probleme auf. das schlimmste davon: hitler übersteht das attentat nahezu unversehrt, was eine machtübernahme für die führer-untreuen praktisch unmöglich macht.

ich kenne die geschichte nicht gut genug, um zu beurteilen, wie nahe der film an der wahrheit bleibt. allerdings ist es offensichtlich, dass stauffenbergs figur in eine unumstrittene heldenposition gerückt wird. sein vorleben bleibt unbeleuchtet. ebenso unklar bleibt, wie «sein» deutschland nach einem geglückten putsch hätte aussehen sollen. störend fand ich zudem, dass im film im hintergrund deutsch gesprochen wird, obwohl alle protagonisten immer englisch sprechen. alles in allem ein missglückter versuch stauffenberg als helden darzustellen.

der historiker ian kershaw auf nzz.ch

seven pounds

*achtung*spoiler

ben thomas (will smith) hat schlimmes zu verarbeiten. wegen seiner unaufmerksamkeit kommt seine frau bei einem autounfall ums leben. wie kann er das bloss gutmachen. er beschliesst, sein leben fortan für ein paar benachteiligte menschen zu opfern. nicht symbolisch, sondern mit aller konsequenz.


rosario dawson, will smith

natürlich ist der film kitschig, natürlich sind da haufenweise schon fast biblische zitate mit drin. und doch: die zuschauer werden vom unbändigen willen des protagonisten gutes zu tun in den bann gezogen. wer so richtig auf übertrieben romantische, kitschige stories steht, dürfte von diesem streifen begeistert sein. alle anderen verlassen den kinosaal mit gemischten gefühlen und der frage, ob es tatsächlich jemanden geben könnte, der so selbstlos wäre.

the day the earth stood still

klaatu (keanu reeves) sieht aus wie ein mensch, kommt aber irgendwo aus dem universum, um uns menschen zu retten. nein, eben nicht. er will nur die erde retten, weil die menschen den planeten sonst zerstören. da er bei seiner ankunft vom us-militär gleich ziemlich gewalttätig empfangen wird, sieht er sein bild von der menschheit bestätitgt. nun können ihn nur noch die wissenschaftlerin helen benson (jennifer connelly) und deren stiefsohn jacob (jaden smith) von seinem vorhaben abhalten…

für einmal ein etwas anderer sciene-fiction film. das alien ist nicht schleimig oder sonst irgendwie monsterhaft, sondern kommt als eine art erlöser in menschengestalt. der legende nach, soll das ja schon einmal passiert sein… 😉 doch im endeffekt scheitert der film, der ein remake eines streifens aus dem jahre 1951 ist, an seiner einfachheit. die message, dass wir wohl besser zu unserem planeten sorge tragen sollten, ist schon nach 30 sekunden klar. womit füllt man also den rest der 103 filmminuten? ok, john cleese kommt noch vor und jaden smith macht seine sache gut. ansonsten ist da leider nicht viel, weshalb man den film unbedingt sehen müsste.

waltz with bashir

ari folman kann sich nur noch bruchstückhaft an seinen armeeeinsatz im libanonkrieg erinnern. sein psychiater rät ihm, doch bei militärkollegen nach deren erinnerung zu fragen. die interviews bringen nach und nach aris schreckliche erinnerung ans licht.

wir waren nur etwa 15 leute im kino. doch so etwas habe ich noch nie erlebt: kein einziger wagte sich auch nur zu bewegen, bevor auch der abspann des filmes vorbei war. totenstille ist wohl die richtige beschreibung für das, was nach dem film geherrscht hat.

ja, der film ist gezeichnet. ja, der film ist eine dokumentation. und manchmal ist man sehr froh, dass er «nur» gezeichnet ist. ohne zu werten zeigtwaltzwithbashir eines der dunkelsten kapitel israelischer geschichte auf eine spektakuläre art und weise. ein absolutes highlight des kinojahres.

nachdem andré marty auf seinem blog einen beitrag über diesen film verfasst hatte, wollte ich ihn unbedingt sehen. «sein» kinosaal verhielt sich anscheinend genau gleich.