seltsame argumentation um das kriegsmaterialexport

Ist ein Suizid aufgrund Kündigung in der Schweiz mehr oder weniger wert als ein Menschenleben in einem anderen Land?
das fragt tom von 2lounge in einem seiner beiträge. er leitet aus den arbeitslosen, die eine annahme der kriegsmaterialinitiative möglicherweise generieren würde, direkt suizide ab, um diese dann gegen die opfer von weltweiter waffengewalt aufzuwiegen. dass es aufgrund von arbeitslosigkeit suizide gebe sei «nachgewiesen». in meinen augen ist das ein populistisches argument, dass in keiner weise als legitimierung für den export von waffen dienen kann. während der primäre zweck einer waffe das töten ist, hat keine entlassung automatisch den suizid des dann arbeitslosen zur folge. natürlich wird nicht mit jeder waffe getötet, aber am eigentlichen zweck ändert das nicht.

seine in einem kommentar gestellte frage hat mich dann sehr stark an meine sitzungen vor der uc in der armee erinnert…

In deinen Händen hältst du eine geladene Waffe und sitzt mit deiner Familie zu Hause vor dem Fernseher. Von draussen stürmen 3 ebenfalls bewaffnete Männer in dein Haus und erschiessen vor deinen Augen dein Kind. Schiesst du zurück? Ja oder Nein?

wo lernt man solch abstruse beispiele konstruieren?

berechtigte frage

natürlich stark vereinfacht… aber es ist doch irgendwie was dran an der darstellung. was ist so gefährlich daran, wenn eine moschee mit einem minarett bestückt wird? und ist es auf der anderen seite ungefährlich, wenn wir pakistan mit kriegsmaterial ausrüsten?


quelle: gsoa.ch

doris leuthard zu waffenexporten

Die neue Kriegsmaterialverordnung ist die Folge eines Berichts der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats zum Emiraten-Fall. Die Initiative selbst löst kein einziges Problem. Wir würden damit aber anderen Ländern das Recht auf das absprechen, was wir für uns in Anspruch nehmen – das Recht auf bewaffnete Selbstverteidigung.

doris leuthard im interview mit dem tagesanzeiger.

interessant. geht doris leuthard also davon aus, dass länder nur dann eine möglichkeit zur selbstverteidigung haben, wenn sie über schweizer waffen verfügen? oder welchen sinn soll ihr argument ergeben?

Wir wollen restriktiv sein, wir fördern die Rüstungsindustrie nicht – aber wir wollen sie auch nicht verunmöglichen. Die Rüstungsindustrie ist eine sehr kompetitive Industrie mit sehr vielen Technologietransfers in den Zivilbereich.

nochmals bundesrätin doris leuthard.

technologietransfers? in den zivilbereich? stimmt: ich zum beispiel fahre öfters mal mit meinembucher mowag duro in die berge, wo ich dann mit schweizer handgranaten ein paar hirsche fürs znacht erlege. oder wo genau gibt es einen nachvollziehbaren technologietransfer schweizer rüstungsfirmen in den zivilbereich?

tagesanzeiger online

politikersprache in der waffenexportdiskussion

An die Stelle der Schweizer Hersteller würden der internationale Waffenhandel und ausländische Profiteure treten, welche nicht annähernd so strengen Kontrollmechanismen unterstehen.
das sagt ursula haller von der bdp im zusammenhang mit der waffenexportverbotsinitiative der gsoa. die übersetzung ist einfach: wenn schon leute getötet werden, dann bitte mit schweizer waffen, damit wir auch etwas dabei verdienen. eine sehr ökonomische position, nur halt etwas unmoralisch.

der ausserrhoder ständerrat hans altherr von der fdp spricht trefflich von einer jobkiller-initiative. ein job in der schweiz ist natürlich deutlich mehr wert, als irgend ein menschenleben in einem staat, der unsere waffen importiert. auch dies ein verständliches argument.

sorry, wenn ich in diesem zusammenhang zum zynismus neige. aber ich habe gar kein verständnis dafür, dass die schweiz waffen exportieren muss. und ganz besonders nicht in länder wie saudi-arabien oder pakistan. deswegen setze ich mich (vergeblich) für ein ja am 29. november ein.

kriegsmaterial.ch

wie man eine initiative missinterpretiert

für mich ist es irgendwie klar, dass ein neutrales land keine waffen exportiert. noch besser wäre, es würde keine waffen herstellen. die realität in der schweiz ist eine andere. die gsoa hat eine initiative ins leben gerufen, die diesen widerspruch korrigieren soll. der initiativtext ist hier nachzulesen. nach dem nationalrat hat nun auch der ständerat die iniative abgelehnt. interessant sind dabei vor allem die begründungen für den entscheid. aus dem verlinkten nzz-online-artikel:

Am gravierendsten wären die sicherheitspolitischen Folgen einer Annahme der Initiative, warnte SIK-Präsident Hans Altherr (Appenzell Ausserrhoden, fdp.): Dies hiesse nämlich das Ende der Schweizer Rüstungsindustrie. Denn eine solche nur für eigene Zwecke aufrecht zu erhalten, wäre unmöglich. Ein Ja zur Initiative würde faktisch also eine Abschaffung der Verteidigungsarmee bedeuten.

sicherheitspolitische folgen? das ist einfach nur lächerlich. die initiative wird vielmehr gezielt in eine «armee-abschaffungs-initiative» uminterpretiert. interessant, aber komplett falsch. zum einen könnte man, sollte es die schweizer rüstungsindustrie tatsächlich nicht mehr geben, alle nötigen güter im ausland erwerben. zum anderen wird immer wieder betont, wie qualifiziert die mitarbeiter dieser rüstungsfirmen seien. es müsste doch ein leichtes sein, mittels einer diversivizierungsstrategie einen rentablen produktmix auf den markt zu bringen, der auch ohne export von waffen und ähnlichen gütern funktioniert.

109’000 gültige unterschriften für das kriegsmaterialexportverbot

unter anderem dank meiner unterschrift hat das bündnis für das kriegsmaterialexportverbot über 109’000 gültige unterschriften sammeln können. dies, obwohl die sammelfrist noch bis ende jahr weiter gelaufen wäre.

doch damit nicht genug. schon wartet die nächste unterschriftensammlung. dieses mal geht es um die aufbewahrung der dienstwaffe. diese soll, wie auch von mir schon vielfach gefordert, im zeughaus aufbewahrt werden. hier kann man sich den unterschriftenbogen runterladen. natürlich sind sportschützen, sammler und auch jäger davon ausgenommen.

vielen dank für eure unterschrift!

lord of war und die realität

inzwischen haben nicht nur lkm und ich lord of war gesehen, sondern auch hardman. übereinstimmendes fazit: der film ist eindrücklich und auf jeden fall sehenswert.

für jene, die es noch nicht wissen im film geht es um den internationalen waffenhandel. damit die schweiz endlich keine entscheidende rolle in diesem dreckigen geschäft spielt, gibt es die eidgenössische volksiniative «für ein verbot von kriegsmaterial-exporten». eine sehr sinnvolle sache in meinen augen. deshalb bitte ich euch nochmals, unterschreibt! merci.

hier unterschriftenbogen runterladen