In den letzten Tagen und Wochen war ich öfters in Diskussionen um die 1zu12- Initiative verstrickt – offline und online. Sie scheint die Leute wirklich zu beschäftigen. Manche sagen, für so etwas sei es schon lange Zeit. Andere meinen, dass der Schweiz so grosse Beträge verloren gingen und haben deshalb Angst vor einer Annahme.
Ich selbst war mir nicht sicher, was ich abstimmen sollte. Die Kampagne der Gegner hat mir die Entscheidung dann leichter gemacht. Vor allem wegen diesem einen Argument, dass man in Variationen von verschiedenen Exponenten hörte:
Es ist wahrscheinlich, dass internationale Konzerneihre Führungskräfte neu an einem Firmensitz im Ausland anstellen und dann wieder in die Schweiz entsenden.
Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes
Bigler nennt die Initiative unter anderem auch «löchrig wie ein Emmentalerkäse».
Angenommen, mehr als 50% der Abstimmenden sagen Ja zur Initiative, passiert faktisch nichts, weil sie sowieso umgangen wird. Natürlich bleibt der Symbolcharakter erhalten. Eine breite Zustimmung würde den betroffenen Unternehmungen deutlich sagen, dass das Volk absurde Lohnexzesse nicht gut findet. Also kann man guten Gewissens Ja stimmen, da es aufgrund der Umgehungsmöglichkeiten keinen wesentlichen finanziellen Effekt für die Schweiz geben wird.
https://twitter.com/ragl/status/396312092246290432
Dieser Tweet von Ralph Gloor stand praktisch am Ende einer längeren Diskussion via Twitter über dieses Thema. Er geht, wenn ich ihn recht verstehe, davon aus, dass die Initiative einen Keil zwischen Volk und Wirtschaft treibt. Ich würde eher sagen, dass «der Keil» schon viel früher durch gewisse Exzesse in diese Partnerschaft getrieben wurde. Natürlich greift die Initiative in die Freiheit der Unternehmungen ein, natürlich ist das nicht gut. Doch auch die Ökonomie ist nicht völlig vogelfrei, hat sie sich doch allermindestens innerhalb der rechtlichen Leitlinien zu bewegen. Dazu kommen halt auch gewisse moralische Grundsätze, was manche Firmen offensichtlich wieder lernen müssen.