ein paar minuten bevor robbie ein zweites mal im stade de suisse auftritt ein paar worte zum gestrigen concert. vorab: es war die erwartete riesenshow mit allem was dazugehört. big screens, feuerwerk, lift hoch auf die bühne, gondel runter auf die bühne, tolle lightshow, alles dabei. und doch war der abend weit davon entfernt perfekt zu sein.

zum einen war’s sicher die songauswahl. das concert begann mit /radio,/ einem höchst durchschnittlichen dance-nümmerchen. es folgte das ausgelutschterockdj und um es noch ein bisschen schlimmer zu machen, hängte robbie noch die miese erste single des albums intensive care an: /trippin›./ zur nicht unbedingt so tollen auswahl gesellte sich die tatsache, dass robbie kaum eine zeile wirklich sang.rockdj schien mir fast ein full-playback zu sein. ich kann mich nicht mehr genau an den rest der playlist erinnern. folgende songs waren aber auf jeden fall mit dabei: /strong,/ /millenium,/rudebox *(übel!!!)*,come /undone,/advertising /space,/ /feel,/ /sin,/ /sin,/sin und natürlich /angels./
nach eindreiviertel stunden war die sache auch schon wieder vorbei und dabei fehlte doch noch eine ganze menge: /she’s/theone (wurde kurz angesungen),meandmy /monkey,/roadto /mandalay,/ /eternity,/supreme … ok, ok, der mann hatte ja auch viele hits. anyway, da bereits um viertel vor elf «ende feuer» war (im wahrsten sinne des wortes) hätten durchaus noch zwei liedchen reingepasst. schade.
weiter merkte man ihm an, dass er nicht wirklich gesund war. er traf die töne noch schlechter, als bei seinem auftritt in der aréna in genf vor drei jahren. er habe sich mit einer spritze in der hintern fitspritzen lassen, klärte er die 40’000 fans auf. die meisten dürften mit seiner leistung wohl trotzdem hochzufrieden gewesen sein.
schlecht war es ja auch nicht. nur hätte er sich ruhig ein bisschen mehr auf die music konzentrieren können. für meinen geschmack war der «entertainment-part» bis an die grenze des aushaltbaren gestreckt worden, damit robbie möglichst wenig singen musste. der wankdorfjoke wurde deshalb auch bis zum gehtnichtmehr wiederholt. what’s the name of your stadium? wanked off? 🙂 bei vielen refrains verliess er sich vollständig auf das stimmkräftige publikum.
wie immer schwankte robbie williams das ganze concert über zwischen himmelhochjauchzend und zutodebetrübt. bei den erstaunlich vielen nahaufnahmen sah man dann auch die bis zum überlaufen gefüllten augen. psychisch scheint der robster noch immer nicht auf der höhe zu sein.
trotzdem hoffe ich natürlich, dass auf dem neuen album wieder tolle songs drauf sein werden. und auf jeden fall werde ich mir wieder mal ein concert anschauen. denn den robbie hat man halt einfach gern, so oder so. 😉
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kritik im tagi:
Die Erotik eines Unpässlichen
Robbie Williams gab gestern das erste von zwei Konzerten im Stade de Suisse und wirkte trotz Spritze fit.
Der grösste britische Popstar der Stunde zog gestern 40 000 Leute unter den freien Himmel ins Berner Stade de Suisse. Heute Abend wird sich die Popschulreise wiederholen. Robbie ist trotz Vorliebe für Vulgaritäten ein Mann für die Massen. Als der Entertainer nach drei Stücken das erste Mal seinen Hintern ins Stadion reckt, ist er bereits durchgeschwitzt. Ein Arzt habe ihn dort fitspritzen müssen. Und dann die Frage: «Heisst das hier wirklich Wankdorf?» «To wank» heisst auf Englisch onanieren. Den Namen muss man diesem Mann nicht zweimal sagen, der Running Gag des Abends ist damit gesetzt.
Teenager – und immer mehr Erwachsene – mögen seine Zuckerhymnen wie «Feel», «Angels» oder «Come Undone». Und wenn er vom aktuellen Album «Intensive Care» mit «Advertising Space» schmachtend seine Ode an Elvis Presley singt, haben sich die Generationen im Konsens längst kuschelig eingerichtet. Und alle verfallen ihm trotz wiederkehrender Figurprobleme. Männer möchten seine Sprüche drauf haben. Frauen aller Altersklassen wählten fürs Konzert die figurbetonte Garderobe. Man weiss ja nie. Robbie ist ein Star, der auch sein Scheitern darstellen kann. Seine Süchte – Robbie raucht auf der Bühne -, sein pubertierender Charme bei doch schon 32 Jahren, seine Unfähigkeit in der Liebe. An das Kind im zerrissenen Mann erinnert die in acht Tagen aufgebaute Bühne. Sie ähnelt einer Chilbi, einem Ort der fröhlichen Gefahr. Gelb und hellblau ragen Lichttürme und Hebearme in die Höhe. Und wenn die Menge im Karaokeverfahren mitsingt, wie schlecht es Robbie wieder mal geht («Strong»), sehen wir den Humor als letzte Ausfahrt vor der Depression. Kaum ein Popstar flirtet so ausgiebig mit dem Publikum. Und kaum einer gibt vor, sich dabei so wenig ernst zu nehmen. Robbie, der mit der neuen Single «Rudebox » wieder vom Sound der Strasse träumt, versteht es, das Stadionformat mit seiner Nachlässigkeit auf fast menschliche Masse zu stutzen. Er kommt aus der Hölle und will in den Himmel: Hebebühnen von unten, am Schluss viel Feuerwerk nach oben liessen daran keinen Zweifel.