AuFwieDersehen Demokratie – Gedanken nach dem Wahlerfolg der AfD

Das war mein Tweet gestern Abend. Mehr mochte ich nicht, konnte ich nicht dazu schreiben. Prompt wurde ich aufgrund meines mutmasslich mangelnden DemokratievestĂ€ndnisses mit  RĂŒckfragen konfrontiert. Völlig zurecht. Und doch mag ich mich nicht vom Tweet distanzieren. Aber ich werde versuchen, den Gedanken dahinter darzulegen.

  1. Jeder soll wĂ€hlen, wen und was er will. Ich bin weiterhin fĂŒr die Demokratie. Sie ist, wie schon so oft zitiert, die beste aller schlechten Regierungsformen.
  2. Man sollte aufhören, den Fehler zu machen, aus einem demokratischen gefĂ€llten Entscheid den RĂŒckschluss zu ziehen, er sei dadurch automatisch richtig. Die Demokratie dient lediglich der Legitimation einer Entscheidung. Eine Demokratie kann also falsch entscheiden.
  3. Wer demokratiefeindliche Parteien wÀhlt, sollte sich der Konsequenzen bewusst sein. Dass man gerade in Deutschland eine antidemokratische Partei wÀhlt, die schamlos tief im braunen Spektrum politisiert, sollte zu denken geben.
  4. Die AfD wurde zu einem grossen Teil aus rassistischen Motiven und Frust gewĂ€hlt. Wer auch nur knapp in der RealitĂ€t lebt, sollte schnell begreifen, dass die AfD keine Probleme lösen will. Sie wird weiter Hass schĂŒren, um an Macht zu gewinnen. Was haben die WĂ€hler davon? Richtig: Nichts.
  5. NatĂŒrlich wurde die AfD vor allem dort gewĂ€hlt, wo wenige AuslĂ€nder wohnen. Dieses Kuriosum kennen wir von Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz bereits bestens. Trotzdem sollte man dieser Tatsache stets das richtige Gewicht beimessen.
  6. Es heisst ja immer, man mĂŒsse die Ängste der WĂ€hler ernstnehmen. Ich hoffe, man nimmt auch jene wahr, die Angst vor dem Aufkeimen einer Bewegung hat, die Deutschland und Europa in die Katastrophe gefĂŒhrt hat.

Ja, nur 1/8 der wÀhlenden Bevölkerung hat sich von der Demokratie verabschiedet. Trotzdem sind die Zeichen eindeutig. Und weil die Zeichen eindeutig sind, werde ich auch weiterhin eine eindeutige Sprache verwenden.

Der Integrationsvertrag des Blick

Eigentlich eine tolle Idee, so ein Integrationsvertrag. Wer hier ist, soll sich an geltende Normen halten. Doch wir wollen uns gar nicht lange damit aufhalten, was das denn fĂŒr Normen sein sollen. Gehen wir doch einfach Punkt fĂŒr Punkt die Blick-Idee durch.

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Die Rechte
1. Das Schweizer Recht gilt in der Schweiz fĂŒr alle – Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich.
Es sei denn, man ist ein superreicher AuslĂ€nder… dann ist man möglicherweise etwas gleicher.

2. Das Recht steht ĂŒber der Religion – Der Glaube ist Privatsache. Die Entscheidung fĂŒr eine Glaubensrichtung ist freiwillig. Niemand darf aus religiösen GrĂŒnden gezwungen werden, etwas zu tun oder zu unterlassen, das er oder sie nicht will.
Und weil Glaube Privatsache ist, zieht der Staat die Steuern fĂŒr die grössten Kirchen des Landes ein. Und wie war das, als ich in Luzern letzte Woche um 0:45 noch ein GetrĂ€nk in einer Bar hĂ€tte trinken wollen? Das ging nicht… weil am Karfreitag sĂ€mtliche Restaurants um 0:30 schliessen mĂŒssen.

3. Mann und Frau sind gleichberechtigt – Die Geschlechter haben in allen Belangen die gleichen Rechte und Pflichten. Frauen und MĂ€nner werden in der Öffentlichkeit, bei der Arbeit und zuhause mit gleichem Respekt behandelt.
Und darum bekommen Frauen bei uns ĂŒberall fĂŒr gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn. Nee, leider nicht. Und deshalb hat der Mann bei der Geburt eines Kindes mehrere Wochen Vaterschaftsurlaub. Nee, auch das nicht. Und deshalb leisten die Frauen (mindestens) einen MilitĂ€rersatzdienst. Nein, das klappt auch nicht. Und im Blick wird die Garderobe oder die Frisur eines Politikers ebenso oft zum Thema, wie das bei einer Frau der Fall ist. Ähm…

4. Jede und jeder geniesst hohe persönliche Freiheit – Jeder darf nach den eigenen Vorstellungen leben, sofern keinem anderen dadurch ein Nachteil entsteht. Niemand wird wegen Herkunft, sexueller Orientierung, Hautfarbe, politischer Gesinnung oder Religion diskriminiert.
Der gute alte Kategorische Imperativ… klingt so logisch, funktioniert aber auch nicht. Dass das Geschlecht in der AufzĂ€hlung fehlt, ist wohl kein Zufall. Und wenn man die Aufschreie hört, wenn es jeweils darum geht, gleichgeschlechtliche Paare in der Werbung zu zeigen, funktioniert das noch nicht so recht, oder? Noch schlimmer wĂ€re es natĂŒrlich, das Thema in der Schule zu bringen…

5. Alle dĂŒrfen ĂŒber alles reden – Die Schweiz kennt kein Tabu in Worten und Gedanken. Jeder darf ĂŒber alles mitreden.
Diesen Punkt wĂŒrde ich am ehesten als realistisch erachten, auch wenn er in etwas holprigem Deutsch daherkommt.

Die Pflichten
1. Jeder beherrscht oder lernt eine Landessprache – Nur wer Deutsch, Französisch, Italienisch oder RĂ€toromanisch in Wort und Schrift beherrscht, ist in der Lage, am tĂ€glichen Leben teilzunehmen.
Einverstanden. Darum mĂŒssen sĂ€mtliche Mitarbeiter von Banken, Pharmakonzernen und anderen international tĂ€tigen Firmen bis Ende Jahr das Land verlassen, wenn sie nur Englisch sprechen. Und mal ehrlich: Sollen wir mal einen Sprachtest mit den 50-jĂ€hrigen SchweizerInnen durchfĂŒhren? Es wĂ€re spannend zu sehen, wer denn die geschriebene Sprache tatsĂ€chlich «beherrscht».

2. Jedes Kind besucht die Schule – und respektiert die Regeln – Die Teilnahme am Unterricht verhilft allen Kindern zu einem guten Start in Gesellschaft und Arbeitswelt. Schulprogramm und Schuldordnung sind fĂŒr alle verbindlich. Lehrpersonen geniessen besonderen Respekt.
Damit bin ich tatsÀchlich weitestgehend einverstanden.

3. Jeder nimmt am Schweizer Alltag teil – Wie, wo und auf welche Weise man sein tĂ€gliches Leben gestaltet bleibt jedem selbst ĂŒberlassen. Die Schweiz toleriert jedoch keine Absonderung in Gruppen, die geltendes Recht missachten, beugen oder verhöhnen.
Darum haben wir unsere Autos alle auf maximal 120 km/h plombiert, alles andere wĂ€re eine Verhöhung des geltenden Rechtes. Come on, dieser Punkt wĂ€re an LĂ€cherlichkeit nur noch durch das EinfĂŒgen von MajestĂ€tsbeleidigung zu toppen gewesen.

4. Jeder verteidigt die Freiheit – Die Freiheit des Individuums ist ein ebenso hohes Gut wie die Freiheit des Landes – beide sind nur dann gesichert, wenn sich jeder Einzelne fĂŒr sie einsetzt.
So langsam werdet ihr pathetisch, oder? Aber zum Thema: Ich kann mich noch erinnern, wie wir alle zusammenstanden, als es darum ging die Freiheit einer gewissen religiösen Gruppe zu verteidigen. Darum darf sie auch heute noch ĂŒberall TĂŒrmchen bauen. Oder wie war das damals? Und ich hofffe stark, dass ihr euch auch in Zukunft fĂŒr die Freiheit des Individuums einsetzen werdet, wenn es um PrivatsphĂ€re geht.

5. Jeder sorgt fĂŒr sich selbst – Alle erwachsenen BĂŒrger der Schweiz sorgen selber fĂŒr ihre Existenz. Der Staat betreibt soziale Einrichtungen fĂŒr die, denen das ohne Hilfe nicht gelingt.
Und morgen streichen wir sĂ€mtliche Direktzahlungen an den landwirschaftlichen Sektor. Die sollen sich mal ein bisschen MĂŒhe geben! Oder ist das was anderes?

Die Normen
1. Man zeigt sein Gesicht
Ehrlich gesagt habe ich bis heute in der Schweiz noch keine Person kennengelernt, die mir ihr Gesicht nicht gezeigt hĂ€tte. Dieser Punkt ist ĂŒberflĂŒssig.

2. Man reicht einander bei der BegrĂŒssung und zum Abschied die Hand
Ich kenne selber Leute, die das nicht gerne mögen (nicht aus religiösen GrĂŒnden)… soll man die nun dazu zwingen, weil es bei uns die Gewohnheit verlangt? Und wenn ja, greift man damit nicht in die persönliche Freiheit ein?

3. Man behandelt Amtspersonen, ob Mann oder Frau, korrekt und mit Respekt.
Das Wort Amtsperson ist bereits neutral, eine zusÀtzliche Betonung der GeschlechtsneutralitÀt deshalb unnötig. GrundsÀtzlich ist der Punkt aber in Ordnung.

4. Man hÀlt Ordnung, Ehrlichkeit und Anstand hoch.
Auch das geht in Ordnung. Wenn ich aber an die SteuererklĂ€rung denke, dĂŒrfte so manch einer den Punkt «Ehrlichkeit» grosszĂŒgig auslegen…

5. Man trÀgt Konflikte aus anderen LÀndern und Kulturen nicht in die Schweiz.
Und darum hat der Blick eine mehrtĂ€gige intensive Auseinandersetzung mit der TĂŒrkei gehabt? Hat man damit den Konflikt nicht noch zusĂ€tzlich befeuert?

So, das wĂ€r’s. Ich verstehe nicht ganz, was der Blick mit diesem Vertrag erreichen will. Biedert er sich einfach zur Abwechslung mal wieder rechts aussen an? Und dann natĂŒrlich noch das Genderthema: Wenn man sich schon so fĂŒr die Gleichstellung der Geschlechter stark machen will, sollte man vielleicht auf das generische Maskulinum verzichten. Am Ende habe ich einfach den Eindruck, dass praktisch kein einziger Schweizer diesen Vertrag unterschreiben könnte, ohne dass er zugeben mĂŒsste, den einen oder anderen Punkt schon verletzt zu haben. Wie nennen wir das? Zuerst vor dem eigenen RĂŒtli wischen, oder so.

 

Sind wir nicht ein bisschen spÀt dran?

Es ist grossartig, wie sich rund um den Erdball (vor allem) Frauen gegen die PrĂ€sidentschaft Trumps auflehnen. Erstaunlich, wie viele Menschen sich mobilisieren lassen. Auch das Video aus Mexico, das schon im September aufgezeichnet wurde, ist toll. Roger Waters meinte vorgestern «The Resistance» beginne jetzt. Schön und gut… aber sind wir nicht alle einfach ein bisschen zu spĂ€t dran?

Warten auf Michelle?

Barack Obama selbst hat zwar schon abgewunken… aber wenn ich die ungebremste Sympathie ihr gegenĂŒber so sehe, habe ich doch noch Hoffnung, dass sie es eines Tages versuchen wird. Ich sĂ€he Michelle Obama jedenfalls gerne als US-PrĂ€sidentin. Aber vielleicht schaffen es die Demokraten nun bis 2020, einen anderen Kandidaten aufzutreiben, der eine zweite Trump-Amtszeit irgendwie verhindert…

Housewifes of ISIS – Darf man lachen?

Inzwischen haben wir es alle gesehen, dieses Trailervideo von BBC, oder?

Darf man nun darĂŒber lachen? NatĂŒrlich darf man das, wenn man es lustig findet. Dann soll man sogar lachen, finde jedenfalls ich. Denn wenn wir uns ĂŒber solche Dinge nicht mehr lustig machen dĂŒrfen, haben die Extremisten bereits gewonnen. Im Idealfall kĂ€me eine solche Satire nicht aus der KĂŒche der BBC, sondern aus «den eigenen Reihen». Das ist natĂŒrlich mehr als nur Wunschdenken, aber zum Jahresanfang darf man ja noch ein paar WĂŒnsche haben. 😉

Achselzucken & Hyperventilieren

In Syrien werden seit Monaten tausende Menschen massakriert oder verrecken zu Hunderten auf der Flucht – und medienmĂ€ssig herrscht selbst angesichts der Tragödie von Aleppo Achselzucken. Obwohl der Westen dort seinen Part spielt. Kaum fĂ€hrt ein Laster in Berlin in einen Weihnachtsmarkt ist Hyperventilieren, Sondersendung und Best of Terror in Europe-RĂŒckblick angesagt. Nicht ohne die permanente Mahnung loszuwerden, dass es noch zu frĂŒh fĂŒr Spekulationen sei. Versteht mich nicht falsch. Die neun toten Berliner tun mir herzlich Leid. Aber so eine GleichgĂŒltigkeit einerseits und dann diese Überbetroffenheit andererseits ist kaum zu ertragen. Krieg ist offenbar nur dann berichtenswert, wenn er nationale Emotionen bedient. Goodbye Newsberichterstattung bis auf weiteres. Ich werd mich einem Nachrichten fernen Zeitvertreib zuwenden, bis die Heimatfront sich wieder beruhigt hat.

Hansi Voigt, Medienprofi gestern Abend via Facebook.

Man könnte spotten und sagen, dass gerade er als Medienmensch die Sache mit dem Nachrichtenwert bestens kennen sollte. Und das tut er ganz bestimmt. Aber er hat trotzdem recht.

NatĂŒrlich berĂŒhren traurige Nachrichten noch stĂ€rker, wenn sie das nĂ€here oder sogar nĂ€chste Umfeld betreffen. Und doch: Wir sollten die Relationen wahren. Wir sollten begreifen, was da in Syrien wirklich abgeht. WĂ€hrend bei uns ein schrecklicher Anschlag den Alltag unterbricht und zum Nachdenken anregt, ist der Terror, ist der Krieg dort Alltag.

Und ja, man sollte wohl vor Ort helfen, wie das die rechten KrĂ€fte jeweils feststellen, wenn die FlĂŒchtlinge an der Grenze stehen. Vorher tut man lieber gar nichts. Aber es bleibt die Frage, wie man das tun könnte. Darauf habe ich keine Antwort. Denn von den GrossmĂ€chten ist nur Russland wirklich aktiv und das in einer höchst zweifelhaften Art.

Wie kann man diese verlogenen Idioten wÀhlen?

Nein, der Titel ist nicht nett. Soll er auch nicht sein. Denn sie sind es auch nicht. Wer? Jene Politiker, die wir Schweizer mit langsam aber sicher beunruhigender RegelmĂ€ssigkeit zu ĂŒber 30% ins Parlament wĂ€hlen. Die grösste Partei der Schweiz. Jene, die vorgibt, sich fĂŒr unsere Werte einzusetzen. Jene, die sagt, sie habe Lösungen fĂŒr Probleme, die Andere nicht einmal ansprechen wĂŒrden. Jene, die auch mal ohne Hemmungen Stimmung gegen AuslĂ€nder macht. Jene, die sich auch mit einer klaren Mitte-Rechts-Mehrheit im Parlament von einer eingebildeten «Elite» regiert fĂŒhlt. Genau diese Partei fĂŒhrt ihre WĂ€hler nun derart offensichtlich an der Nase herum, dass dieser Titel schlicht gerechtfertigt ist.

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Nein, der Blick ist nicht meine bevorzugte Quelle. Aber: Hier wird Klartext gesprochen, also so, dass der selbst der geneigte SVP-WĂ€hler merken könnte, dass er verarscht wurde. Nur ein Jahr nach der Reise in den Tessin und der Kampagne, man wolle die Grenzen mit mehr Personal sicherer machen, kommt nun der RĂŒckzieher. Und natĂŒrlich ist auch der Schluss von Halbeis richtig: Die SVP-Politelite wird am lautetsten bellen, wenn es dann wieder opportun ist.

Einen Ă€hnlichen Trick wendet man ja in der FlĂŒchtlingsthematik auch in einem anderen Bereich an. Als die Menge an FlĂŒchtenden zunahm, war die SVP bemĂŒht zu sagen, man mĂŒsse eben vor Ort helfen. Das klingt plausibel. Schliesslich muss sich jemand, dem es dort wo er lebt gut geht, gar nicht erst auf die Flucht machen. Unglaublich logisch. Aber wer ist in der sich anbahnenden Debatte nun wieder fĂŒr eine Senkung der Ausgaben fĂŒr Entwicklungshilfe? NatĂŒrlich die Lautsprecher der SVP. Hilfe vor Ort war und wird nie etwas sein, was diese Partei wirklich will.

Diese Partei will nur eines: Macht. Die Ängste der Bevölkerung sind ihr so egal, wie sie es den anderen Parteien stets vorwirft. Aber sie nutzt die Ängste gern, um bei Wahlen und Abstimmungen zu punkten. Die Elite, die sie andernorts wittert, ist sie hĂ€ufig selbst. Sie kĂŒmmert sich nicht um Lösungen, sabotiert jene der anderen Parteien bei jeder Gelegenheit.

Es wĂ€re also schlau, wenn ihr diese verlogene Partei nicht mehr wĂ€hlen wĂŒrdet. Merci.

Tja

Also… so richtig unquatschig war das jetzt nicht, liebe US-amerikanische Freunde. Mal schauen, was daraus wird.

Aber vielleicht hat nun einfach die Wartezeit auf Michelle Obama begonnen.

It’s so even – aka macht keinen Quatsch!

In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Menschen, die meinten, die US-Amerikaner hĂ€tten die Wahl zwischen Pest und Cholera. Nicht nur wenn man dieses Video anschaut, mĂŒsste klar werden, dass dem auf keinen Fall so ist.