james bond in luzern

quantum of solace hat uns ja fast alle enttäuscht. für autofans wie mich ist aber trotzdem jeder bond ein ereignis, weil die fahrzeuge jeweils ganz genau ausgewählt werden. natürlich ist ein grossteil von ihnen nur aufgrund eines werbevertrages überhaupt zu sehen, aber auch das hat seinen reiz. welches auto ist von ford, welches ist einfach sonst da? für echte filmfans war’s dann halt aber trotzdem bloss ein kleines quantum handlung und der rest war eher als ford-werbespot zu verstehen. dabei ist mit dem ford edge der am häufigsten zu sehende wagen in europa gar nicht offiziell zu kaufen. via direktimport haben dennoch ein paar fahrzeuge den weg in die schweiz gefunden. einige ford edge wurden anscheinend so direkt importiert, dass sogar noch das nummernschild aus den usa dran ist. 😉 und nein: daniel craig war nicht am steuer, aber vielleicht war das bloss tarnung…

autoszenen im forster-bond

Doch im Gegensatz zu den früheren Bondfilmen animieren die Autoszenen in Marc Forster Film nicht zum Rasen. Sie zeigen sehr brutal sinnlose Gewalt und Zerstörung, es ist kaum ersichtlich, wer in welchem Auto sitzt und wer wen verfolgen würde. Nur beklemmendes Getöse schockiert den Zuschauer. Ob die Kritiker den neuen Bond loben oder kritisieren, alle schreiben sie von der Sinnlosigkeit und Absurdität dieser Autoszenen.
dies ist ein ausschnit eines blogbeitrages von moritz leuenberger. also, ich sehe das schon etwas anders. nein, ich sehe das ganz anders. richtig gut erinnern kann ich mich nur an die filmeröffnende verfolgungsjagd mit dem aston martin dbs, den alfa romeo 159 und land rover defender. genossen habe ich dabei vor allem den vorzüglichen sound. selten durfte ein v12 so schön schreien in einem kinofilm. dass dem dbs sogar ein defender gewachsen zu sein scheint, kann den faszinierenden eindruck nicht trüben. denn es ist klar, die verfolgungsjagd dient nur der show. eine show aber, die äusserst durchdacht und mit ästhetischer absicht inszeniert ist. die einstellung, in der bond in den steinbruch von carrara einfährt, von oben gefilmt, werde ich nie mehr vergessen. das ist kunst, definitiv. und für mich war diese eine einstellung der höhepunkt des gesamten filmes. und so stand für mich nicht die sinnlosigkeit oder absurdität, sondern die optische und akustische ästhetik im vordergrund. eine audiovisuelle gaumenfreude.

übrigens werde ich durch solche szenen tatsächlich nicht zum rasen animiert. aber wenn ich in einem aston martin dbs sässe und auf eine dieser galerien zufahren würde… die seitenfenster würden sich wie von zauberhand senken. kurz heruntergeschaltet in den ersten und dann… die beschleunigung bis hinauf zur gesetzlichen limite würde dabei völlig ausreichen.

quantum of solace

*vorsicht*spoiler

james bond (daniel craig) trauert immer noch um vesper, die in casino royale starb. als er herausfindet, dass dominic greene (mathieu amalric) von der verbrecherorganisation quantum hinter dem mord steht, beginnt ein einsamer kampf. denn weil die organisation überall ihre leute eingeschleust wird, traut selbst m (judy dench) ihrem topagenten nicht immer. dass er dabei herausfindet, wie greene bolivien von seinem wasserreservoir mitten in der wüste abhängig machen will, wird fast zur nebensache.

liebend gerne würde ich hier hinschreiben, marc forster habe die bond-filmreihe famos fortgesetzt. hat er aber nicht. ok, die sequenz mit dem aston martin dbs am anfang ist göttlich, soll aber nicht aus der feder von foster stammen. der rest besteht aus sehenswerten actionsequenzen. ein bond-film hat aber mehr zu sein als blosse action-unterhaltung. doch weil dialoge fast ganz durch abwesenheit glänzen, kommt weder der typische humor zum vorschein, noch gelingt es die bösen als wirklich böse darzustellen. mir persönlich hat es auch nicht geholfen, dass matthieu amalric irgendwie aussieht wie florian ast. die rolle von anatole taubmann wurde in der hiesigen presse hochgespielt. tatsächlich sagt er nur einmal «jo, isch scho chli heiss da», und das ist es dann schon. wenn man vonquantumofsolace mehr erwartet als einen simplen actionfilm, wird man sicher enttäuscht. falls man trotzdem nicht auf das erlebnis verzichen möchte, empfehle ich das ansehen von casino royale, weil der foster-bond einige male darauf bezug nimmt und auch weil es einfach ein toller film ist.

forster hat einmal mehr wunderbare bilder arrangiert, aber die lizenz zum bond-drehen muss ihm nach diesem film defintiv entzogen werden. das hat er einfach nicht drauf. ich freue mich schon auf 2010, wenn der nächste bond mit daniel craig in der hauptrolle erscheinen wird.